Politik : Politik der kleinen Schritte in Nahost

-

Jerusalem - Es ist die erste Ehrendoktorwürde für Angela Merkel, sie darf sich nun „Dr.Phil.h.c“ nennen. Nicht, dass sie den Titel bräuchte – die Kanzlerin ist seit mehr 20 Jahren promovierte Physikerin. Dass aber die älteste Alma Mater Israels, die „Hebrew University“, ihr diese Ehre verleiht, erfüllt sie sichtlich mit Stolz. Etwas verlegen nimmt sie dagegen im voll besetzten Audi-Max die Rede des Laudators entgegen, der sie – frei übersetzt – als „Bannerträgerin der Demokratie“ („Champion of Democracy“) würdigt und „standhaften Freund“ Israels lobt.

Merkels Mission auf ihrer mehrtägigen Nahost-Reise heißt „unterstützen“. Bei einem Treffen mit Israels Premier Ehud Olmert beschwor sie dann am Sonntag die „großen Chancen“, die sich durch das Engagement vor allem Saudi-Arabiens für den Nahost-Friedensprozess auftun: „Die Dinge sind in Bewegung gekommen“, sagt sie. Erzwingen könne Europa nichts, schon gar nicht im Alleingang, so die EU-Ratspräsidentin. Trotzdem formuliert sie klare Forderungen an Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den sie am Sonntag in Ramallah trifft. Vor allem das Schicksal des vor mehr als neun Monaten entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit liegt ihr am Herzen. Sie spricht mit Schalits Eltern und fordert die radikal-islamische Hamas auf, ihn als Zeichen des „ernsthafte Willens“ freizulassen. Merkel will das „Momentum“ nutzen und die Konfliktparteien zum weiteren Dialog ermutigen. Dabei wirft sie ihr Prestige und das durch die EU-Ratspräsidentschaft verstärkte politische Gewicht in die Waagschale. Der Weg ist noch lang und schwierig, sagte sie. Aber: „Auch zaghafte Schritte sind Schritte. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar