Politik und Ramadan : Zentralrat der Muslime: Auch Politik sollte Iftar feiern

Zu einem Iftar, dem abendlichen Fastenbrechen im muslimischen Ramadan, hat US-Außenminister Kerry auch deutsche Muslime eingeladen. In der Community sind die Meinungen allerdings geteilt.

von
Präsident Obama redet zu den Gästen eines muslimischen Fastenbrechen-Essens (Iftar) im Weißen Haus in Washington.
Nach Kerry auch Obama: Fastenbrechen am Donnerstag im Weißen HausFoto: Saul Loeb/AFP

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, empfiehlt der deutschen Politik im Ramadan das Beispiel der USA. Die Einladung auch deutscher Muslime zu einem Fastenbrechen (Iftar) bei US-Außenminister John Kerry sei „eine schöne Geste des Respektes und der Wertschätzung des amerikanischen Außenministers unserem Glauben gegenüber“, sagte Mazyek. „Ich fände es auch wunderbar, wenn Ähnliches in Deutschland eines Tages möglich wäre.“ Sein eigener Verband hatte kurz zuvor die Bundesjustizministerin auf einem Iftar-Empfang zu Gast. In den USA ist die Einladung zum Iftar-Essen während des muslimischen Fastenmonats Ramadan seit 2001 Brauch; dazu sind auch ausländische Muslimvertreter eingeladen. Aus Deutschland waren neben Mazyek unter anderem Daniel Abdin, der Vorsitzende der Hamburger Al-Nour-Gemeinde, und die nordhrein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler geladen.

Die Frage, ob die USA hier ein Vorbild wären, wurde in diesen Tagen allerdings auch unter deutschen Muslimen diskutiert: Der Kommentator der „Islamischen Zeitung“ fragte nach dem politischen „Preis“ der Präsenz von Muslimen Wenn bei derartigen Gelegenheiten immer wieder „Binsenweisheiten“ wie die Verfassungstreue der Muslime betont werden müssten, zeige dies nur, welchen Status sie tatsächlich im gesellschaftlichen Leben haben. In der muslimischen Gemeinde der USA gab es im Vorfeld des diesjährigen Iftar-Einladung durch Kerry sogar Boykottaufrufe: Omid Safi, Professor für Islamische Studien an der University von North Carolina, kritisierte in einem Blog-Eintrag, dass dabei systematisch afroamerikanische Muslime unterrepräsentiert seien und vornehmlich Personen eingeladen würden, die „zu den größten Grausamkeiten der US-Politik“ geschwiegen hätten. Er selbst habe 2003, kurz nach dem Beginn des Irak-Krieges, eine Einladung ins State Department mit dem Hinweis abgelehnt, dass er nicht Gast von Leuten sein wolle, die Unschuldige bombardierten.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben