Politik : Politiker aus aller Welt beim Begräbnis in Moskau

Würdenträger aus aller Welt haben am Donnerstag in Moskau Abschied von Raissa Gorbatschowa genommen. In einem von der Frau des letzten sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow gegründeten Kulturzentrum verneigten sie sich vor dem offenen Sarg der am Montag im Alter von 67 Jahren an Leukämie Verstorbenen. Zu den Trauergästen gehörten neben der Frau des russischen Präsidenten, Naina Jelzin, auch Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU), Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und die Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf. Vertreten waren ferner die früheren russischen Ministerpräsidenten Sergej Stepaschin und Jewgeni Primakow sowie der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko. Michail Gorbatschow saß während der Zeremonie zwischen seiner Tochter Irina und seiner Schwägerin Ljudmilla am Sarg seiner verstorbenen Frau.

Altbundeskanzler Kohl sagte vor dem Eingang zu dem Kulturzentrum, er habe während des Krankenhausaufenthalts von Frau Gorbatschowa in einer Klinik in Münster jeden Tag mit Michail Gorbatschow telefoniert. Raissa Gorbatschowa habe eine wichtige politische Rolle gespielt, von den Anfängen der Perestrojka über die Abrüstungsdiskussionen bis zur deutschen Wiedervereinigung. Kohl hatte im Frühjahr 1990 mit Gorbatschow bei einem historischen Treffen im Kaukasus die Bedingungen für die deutsche Einheit ausgehandelt.

Später wurde der Sarg zum Moskauer Neujungfrauenkloster überführt werden, wo eine religiöse Trauerfeier stattfand. Michail Gorbatschow ging mit starrem Blick über einen Teppich von Rosen, Astern und Gladiolen hinter den sterblichen Überresten seiner Frau her. An den Händen hielt er die einzige Tochter Irina und Raissas Schwester Ljudmila Titorenko. Bei strahlendem Herbst-Sonnenschein wurde Raissa Gorbatschowa gegen Mittag beigesetzt. Ihr Tod hatte weltweit Trauer und Anteilnahme ausgelöst. Am Mittwoch hatten Hunderte Moskauer Bürger am offenen Sarg Abschied von ihr genommen. Von den Trauerfeierlichkeiten am Donnerstag blieb die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Beerdigung Raissa Gorbatschowas wurde zu einem herzlichen Wiedersehen Kohls und Genschers auch mit Jewgeni Primakow, der zu Zeiten der Wiedervereinigung Leiter des Auslandsgeheimdienstes SWR war, ehe er im Januar 1996 Außenminister Russlands wurde. "Alte Liebe rostet nicht", sagte Kohl zu Primakow. "Wir vergessen die, die uns geholfen haben, nie." Minutenlang unterhielten sich Kohl, Genscher und Primakow unter den alten Bäumen des Kloster-Friedhofs.

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