Politik : Politiker für Korrekturen an Schnellabitur

Berlin - Das Abitur nach zwölf Jahren ist laut Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) nur im Rahmen einer gut organisierten Ganztagsschule praktikabel. Auch ein warmes Mittagessen gehöre zu dem „Gesamtpaket“, das man brauche, um die jetzigen Probleme mit dem verkürzten Abitur zu beseitigen. Hingegen sei die Reduzierung der Pflichtstundenzahl keine Lösung, auch wenn die konkrete Zahl von 265 Stunden nicht unbedingt ein Tabu sei. Viel Spielraum sieht er dabei allerdings nicht: „Es könnten auch beispielsweise 263 Stunden sein“, sagte Zöllner dem Tagesspiegel am Sonntag. Man müsse nicht die Zahl der Unterrichtsstunden, sondern die Stofffülle infrage stellen, meint auch Steffen Zillich, bildungspolitischer Sprecher der Berliner Linkspartei. Wer – wie Berlins Regierender Bürgermeister – weniger Unterrichtsstunden fordere, wolle nur davon ablenken, dass man mehr in die Infrastruktur der Schulen investieren müsse, meinte gestern der Direktor des angesehenen Berliner Humboldt-Gymnasiums, Hinrich Lühmann. Die Debatte um eine Stundenkürzung sei „verlogen“. Wowereit hatte am Wochenende eine Entrümpelung der Lehrpläne angeregt.

Auch Bayern denkt darüber nach: Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) lehnte in der „Welt am Sonntag“ zwar die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ab, schloss aber Korrekturen an der Reform nicht aus. Er habe bereits eine Arbeitsgruppe im Kultusministerium eingesetzt, die einzelne Lehrpläne kürzen solle, wo dies notwendig sei. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) sammelt derzeit die Erfahrungen der Länder mit dem verkürzten Weg zum Abitur. Die Ergebnisse der Prüfung will die KMK-Arbeitsgruppe im März vorlegen und dann auch Vorschläge für Änderungen machen. Wie der Tagesspiegel am Sonntag aus der KMK erfuhr, dürfte dabei auch darüber gesprochen werden, ob nicht zuerst die Umsetzung der Reform an den Schulen selbst und durch die Lehrer verbessert werden muss.ade/sve/AFP

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