Politik : Politiker streiten über strahlende Kügelchen Grüne im hessischen Landtag:

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Wiesbaden. Winzig kleine Kügelchen, angeblich radioaktiv verseucht und vor einem Jahr in der Nachbarschaft der ehemaligen Hanauer Nuklearfabriken gefunden, sorgten am Donnerstag im Hessischen Landtag für Aufregung. Die Grünen warfen Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) mangelnden Aufklärungswillen vor. Die Union hingegen sprach von einem Schmierentheater der Opposition.

Vor einer Woche hatten die Hanauer Stadtverwaltung sowie Landtag und Öffentlichkeit aus den Medien von Ermittlungen erfahren, die von der Hanauer Staatsanwaltschaft vor gut einem Jahr wegen des Verdachts nuklearer Bodenverseuchung eingeleitet worden waren. Umweltminister Dietzel versicherte nun, alle Bodenproben hätten keine Anhaltspunkte für nukleare Belastungen oder gar Gesundheitsgefahren ergeben.

Den Weinheimer Diplomingenieur Heinz-Werner Gabriel, auf dessen Veranlassung die Staatsanwaltschaft ermittelt, nannte Dietzel einen Scharlatan. Das Ministerium hatte erklärte, mit Gabriel keinen Kontakt aufnehmen zu können, um dessen angebliche Fundorte zu überprüfen. Doch die Telefonnummern des engagierten Streiters gegen die Atomindustrie sind bekannt. Am Telefon nannte Gabriel dem Tagesspiegel gestern konkrete Straßenzüge in Hanaus Stadtteil Wolfgang, an denen angeblich bis zu acht Zentimeter große Keramikteile zu finden seien, in denen die verdächtig strahlenden Kügelchen verbacken seien. In seiner Not sei Diffamierung das letzte Mittel des Ministers, sagte Gabriel zu den Vorwürfen.

Hanaus Oberbürgermeisterin Margret Härtel (CDU) blieb auch am Donnerstag bei ihrer Kritik an Umweltministerium und Staatsanwaltschaft. Sie hatte es ein Unding genannt, dass sie erst aus dem Radio von dem seit einem Jahr laufenden Ermittlungsverfahren gehört hatte. Am Dienstag richtete sie in Hanau eine Clearingstelle ein, um die beunruhigte Bevölkerung mit allen verfügbaren Informationen zu versorgen.

Die Hanauer Staatsanwaltschaft sieht auch nach den Erklärungen des Ministers keine Veranlassung, das Ermittlungsverfahren einzustellen. Die Strafverfolger hatten vor Jahresfrist, unabhängig von den Experten des Ministeriums, eigene Bodenproben im Hanauer Forst Bulau nehmen lassen; Oberstaatsanwalt Ort hatte von verdächtigem Material gesprochen, das in großer Menge gefunden und abtransportiert worden sei. Solange die in Auftrag gegebenen Untersuchungen nicht abgeschlossen seien, gebe es den Anfangsverdacht der nuklearen Bodenverunreinigung, hieß es aus der Behörde. Christoph Schmidt Lunau

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