Politikerfrauen : Seine bessere Hälfte

Früher versorgte sie Heim und Herd, heute drängt sie ins Rampenlicht: Was die Politikerfrau über neue und alte Rollenbilder verrät.

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Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf. Sie drängt es mittlerweile selbst in die aktive Politik - Schröder-Köpf will in den niedersächsischen Landtag einziehen.
Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf. Sie drängt es mittlerweile selbst in die aktive Politik - Schröder-Köpf will in den...Foto: picture-alliance/ dpa

Wie hieß eigentlich die Frau des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss? Wer war Nadjeschda Krupskaja? Und erinnert sich noch jemand an Charles de Gaulles Ehepartnerin?

Der Name Michelle machte vergangene Woche gleich zweimal die Runde. Zum einen sorgte Michelle Müntefering, die 31-jährige Ehefrau von Ex-SPD-Chef Franz Müntefering, mit ihrer Ankündigung, sich auf ein Bundestagsmandat bewerben zu wollen, für Geraune. Zum anderen rückte Michelle Obama, Amerikas First Lady, einmal mehr in den Fokus, seit sich eine erste Biografie des Paares auch und gerade mit ihr beschäftigt : „Die Obamas. Ein öffentliches Leben“. Die Dritte im Bunde ist Doris Schröder-Köpf, die zeitgleich mit Michelle Müntefering ankündigte, politisch aktiv werden zu wollen, im niedersächsischen Landtag in Hannover.

Doris und Michelle haben mit ihren Plänen nicht nur überschäumende Begeisterung ausgelöst, und man fragt sich warum. Seit über sechs Jahren wird Deutschland von einer Frau regiert – und wir haben mit Frauen in politischen Ämtern immer noch ein Problem? Oder vielleicht eher eins mit Dynastien? Die Menschen nehmen es mit Befremden wahr, wenn ein Politiker, dessen Karriere beendet ist, quasi in Erbfolge die Geschäfte auf seine Partnerin überträgt.

Autorin des Obama- Buchs ist Jodi Kantor, Korrespondentin der „New York Times“. Sie zeichnet das Bild der First Lady als das einer starken, schönen, selbstbewussten Frau, die sich nicht auf ihre repräsentative Rolle reduzieren lassen will. Die zu klug ist und selbst viel zu erfolgreich war, um sich damit zufriedenzugeben, im Weißen Haus fortan Hände zu schütteln. Michelle Obama, heißt es hingegen, würde als Beraterin ihres Mannes die Politik der USA nicht unwesentlich mitbestimmen. Dieser Einfluss, sagt Kantor, sei ungewöhnlich stark und habe „Einfluss auf die ganze Nation“. Als Absolventin einer Eliteuni und erfolgreiche Anwältin gilt Michelle als Baracks „Sparringspartnerin, sein Frühwarnsystem … die Frau, die das Beste aus ihm herausholt.“

Zu seinem Amtsantritt wurden sie als Glamourpaar gefeiert: Barack und Michelle Obama.
Zu seinem Amtsantritt wurden sie als Glamourpaar gefeiert: Barack und Michelle Obama.Foto: AFP

Dieser Machtzuwachs hat nach Kantors Beobachtungen allerdings zu gewaltigen Friktionen im Weißen Haus geführt. Der Präsidentenstab reagierte überrascht und überraschend dünnhäutig auf das forsche Auftreten Michelles. Hier ist man gewöhnt, dass sich die Partnerin aus allem Politischen heraushält. Jetzt hieß es plötzlich, Michelle würde versuchen, ihren Mann davon zu überzeugen, weniger kompromisslos zu sein, seine Ziele gradliniger zu verfolgen. Eine zweite Hillary Clinton jedoch will Michelle Obama dezidiert nicht sein. Sie hat aus den Fehlern ihrer Vorvorgängerin gelernt, sich zu stark an der Seite ihres Mannes in der Öffentlichkeit zu positionieren.

Hillarys Motto „Stand by your man“ hat Bill Clinton zwar in der Lewinsky-Affäre gerettet, doch die von beiden zur Schau getragene Attitüde des doublepacks hat die Bürger auch irritiert. Und provozierte die Frage nach der Legitimität ihres politischen Handelns – schließlich hatte Hillary kein Mandat. Selbst Bills im Wahlkampf vorgetragene Parole „You get two of us for the price of one“ (Ihr bekommt zwei zum Preis für einen) konnte den Mehrwert der Clinton’schen Eheeunion für die amerikanischen Bürger nicht recht verdeutlichen. Trotzdem gilt Hillary Clinton als bisher mächtigste Präsidentengattin der amerikanischen Geschichte – abgesehen von Eleanor Roosevelt, First Lady von 1933 bis 1945.

Ihre Aufgabe beschränkte sich damals formal darauf, im Weißen Haus die Gastgeberin zu spielen. Doch Eleanor Roosevelt fand das zu langweilig und ließ es sich nicht nehmen, sich politisch zu engagieren und auch zu artikulieren. Ihre Präsenz in den Medien war beträchtlich. Als erste First Lady in der amerikanischen Geschichte gab sie gleich am Tage der Amtseinführung ihres Mannes ein Interview und begann wenig später, wöchentliche Pressekonferenzen abzuhalten, an denen nur weibliche Reporter teilnehmen durften. Seit 1936 schrieb sie zudem eine tägliche Kolumne, die in vielen Tageszeitungen abgedruckt wurde.

Hannelore und Helmut Kohl.
Hannelore und Helmut Kohl.Foto: picture-alliance / dpa

Deutschland war selbst in den fünfziger und sechziger Jahren noch nicht reif für ein derart modernes Rollenmuster. Emanzipationsbewegungen verlaufen nun einmal nicht linear. Konrad Adenauers Frau war früh gestorben, Ludwig Erhards bessere Hälfte hieß Luise, und Willy Brandt vergnügte sich lieber privat mit dem weiblichen Geschlecht, als dass er sich bei Rut oder Brigitte politischen Rat geholt hätte. Allerdings hatte auch die Neue Welt Rückschläge zu verzeichnen: Nach Eleanor Roosevelt gab es etliche Politikerfrauen, die es vorzogen, sich ganz auf Heim und Herd zu konzentrieren. Und so trat erst 1993 mit Hillary Clinton ein neues role model auf den Plan.

Als Hillarys Antipodin galt und gilt Hannelore Kohl. Als sie im Jahr 2001 ihrem Leben ein Ende setzte, war ganz Deutschland erschüttert. Selbst Menschen, die nicht gerade zu den politischen Freunden des Ex-Kanzlers zählten, trauerten um die blonde Frau, die jahrelang im wahrsten Wortsinn im Schatten Helmut Kohls gelebt hatte. Stellvertretend für eine ganze Generation von Nachkriegsmüttern hatte Hannelore Kohl ihr Leben mit eiserner Disziplin und viel Zurückhaltung vollkommen in den Dienst ihrer Familie, aber auch in den Dienst ihres Politikermannes gestellt. So entsprach sie voll und ganz dem konservativen Bild der perfekten Ehefrau, die ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse, ihr eigenes Streben nach Selbstständigkeit und Anerkennung zugunsten ihrer Familie zurückstellt. Sie war die Frau an seiner Seite, ohne Ehrgeiz, ihre eigene politische Meinung öffentlich kundzutun.

Diesen Ehrgeiz hatte Wilhelmine Lübke, die kluge und – im Gegensatz zu ihrem Mann – ausgesprochen sprachgewandte zweite First Lady der jungen Bundesrepublik, sehr wohl. Der Einfluss auf ihren Mann Heinrich gilt als legendär, mitunter wird seine Amtszeit spöttisch als „Wilhelminische Epoche“ bezeichnet. Die unkonventionelle Wilhelmine war beliebt beim Volk, wenngleich man es nicht wirklich richtig fand, dass sie ihren Mann selbst bei offiziellen Anlässen „Heini“ nannte. Doch als sie sich gleich zu Beginn der Amtszeit ihres Mannes öffentlich politisch äußerte, erfuhr sie herbe Kritik und sah sich gezwungen, eine Art Schweigegelübde abzulegen.

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