Der Erste Weltkrieg als Hörbuch : Stimmen, die nach Blut rufen

Das Hörbuch "Der Erste Weltkrieg" von Chrisian Blees und Frank Eckhardt zeichnet mit O-Tönen und Interviews ein nüchternes und gerade deshalb erschütterndes Bild der Jahre 1914-1918.

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Massensterben. Die Schlacht von Verdun dauerte von Februar bis Dezember 1916 und kostete über 300000 Soldaten das Leben. Diese französische Soldaten überlebten - weil sie in Gefangenschaft gerieten.
Massensterben. Die Schlacht von Verdun dauerte von Februar bis Dezember 1916 und kostete über 300000 Soldaten das Leben. Diese...dpa

Mehr als die horrenden Zahlen der Verwundeten, der Getöteten, der Gefangenen, mehr als das buchhalterische Aufzählen von Schmerz, Hunger und Gräueltaten, mehr als die unüberblickbaren Tonnen an Kriegsgerät, sind es diese Stimmen, die einem den Schrecken in die Glieder fahren lassen: diese dünnen, hohen Stimmchen, die bar jeglichen rhetorischen Geschicks ihre Durchhalteparolen herunterstümpern. Genügte das vor hundert Jahren wirklich, um Millionen Bauern, Bäckermeister und Studenten in die Gräben und Gräber zu schicken? Spürte wirklich jemand beim Lauschen von Kaiser Wilhelms II. mit erbärmlich falschem Pathos verstolperten Reden Stolz und die Notwendigkeit in den Krieg zu ziehen? Sogen Frontsoldaten tatsächlich Kraft aus General Alexander von Linsingens gequäktem Lob von „Deutscher Manneszucht und Deutscher Tapferkeit“?

Dass es anscheinend wirklich nicht mehr bedurfte, um die Katastrophe des Ersten Weltkrieges ins Rollen zu bringen, ist das eigentlich Erschreckende an dem Radiofeature „Der Erste Weltkrieg“, das Christian Blees und Frank Eckhardt für den Hessischen Rundfunk produzierten.

Bündnisse, Giftgas und U-Bootkrieg

Streng chronologisch arbeiten die Autoren sich durch die Kriegsjahre und berichten vom Flottenwettrüsten, Bündnissen, Giftgaseinsatz, U-Bootkrieg sowie den Schlachten an der Somme und in Verdun. Zwischen den Originaltönen gibt es immer wieder Interviews mit englischen, französischen und deutschen Historikern, die Kriegsschuldfrage, Truppenbewegungen und Friedensverhandlungen kommentieren.

Die schnörkellose Darstellung dieses akustischen Überblicks wirkt im ersten Moment ungewohnt nüchtern. Je weiter die Sendung und damit der Krieg fortschreiten, desto klarer wird jedoch, dass es einer Dramatisierung gar nicht bedarf, um den Wahnsinn der Jahre 1914-1918 greifbar zu machen. Alles was es dafür braucht, sind diese dürren Stimmen, die nach Blut rufen.

Feindbeobachtung. Das Cover des Radiofeatures.
Feindbeobachtung. Das Cover des Radiofeatures.Der Hörverlag

Christian Blees & Frank Eckhardt: "Der Erste Weltkrieg", 3 CDs, Der Hörverlag, 210 Minuten, 19,99 €

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