Politik : Politischer Frühling in Fernost

Andreas Landwehr

Peking - Mit so viel Warmherzigkeit wie Yasuo Fukuda ist noch kein japanischer Ministerpräsident in China empfangen worden. In der blumigen Sprache japanischer Diplomaten hat mitten im kalten, grauen Pekinger Winter „der Frühling begonnen“. Wenn Präsident Hu Jintao zum ersten Besuch eines chinesischen Staatsoberhauptes seit zehn Jahren voraussichtlich im April zur Kirschblütenzeit nach Tokio komme, könnte das Verhältnis „so richtig aufblühen“. Selbst Chinas Regierungschef Wen Jiabao sprach vom „Frühling“, doch demonstrierte Fukuda nach seinen Gesprächen am Freitag bescheidenen Realismus: „Wir haben gar keine andere Wahl, als unsere Beziehungen voranzubringen.“

China ist Japans größter Handelspartner. Japan wiederum ist der größte ausländische Investor in Chinas Wirtschaftswunder. Die Abhängigkeiten zwischen der zweitgrößten und der schon bald drittgrößten Wirtschaftsmacht der Erde sind groß. „Der eine kann nicht ohne den anderen“, stellte ein hoher japanischer Beamter fest. Doch das Verhältnis war lange getrübt, die Gegnerschaft im Zweiten Weltkrieg und die ideologische Spaltung in den Jahrzehnten danach wirkt bis heute fort. Bis heute hat die Mehrheit der Japaner ein negatives Bild von China. „Wir sind jetzt in dem Prozess, die Schäden auszubessern“, sagte Japans Außenamtssprecher Mitsuo Sakaba.

Dass Fukuda nach seinem Amtsantritt versicherte, niemals den Yasukuni- Schrein (wo auch Kriegsverbrecher verehrt werden) zu besuchen, baute die Brücke für den Neuanfang. Auch die Familiengeschichte Fukudas trägt zur positiven Atmosphäre bei. Immerhin hatte sein Vater Takeo Fukuda 1978 als Regierungschef den Friedens- und Freundschaftsvertrag mit China unterzeichnet. „China erkennt an, dass Fukuda ein Politiker ist, der China und Asien freundlich gesonnen ist“, sagte Sprecher Sakaba. Dafür gewährte ihm China so manche „außergewöhnliche Gunst“. Als erstem Regierungschef Japans wurde ihm erlaubt, sich mit einer Rede in der Pekinger Universität live im Fernsehen an das Milliardenvolk zu wenden. In einem Interview im Staatsfernsehen konnte sich Fukuda auch mit seiner Frau Kiyoko von der menschlichen Seite zeigen. Völlig überraschend kam dann noch die Einladung von Präsident Hu Jintao an Fukuda zu einem protokollarisch unüblichen Abendbankett: „Das hatten wir nicht erwartet.“ Andreas Landwehr (dpa)

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