Politischer Jahresauftakt : Linkspartei will Führungsdebatte aufschieben

17.01.2012 00:00 Uhrvon
Gregor Gysi beim Politischen Jahresauftakt der Linkspartei. Foto: dpa
Gregor Gysi beim Politischen Jahresauftakt der Linkspartei. - Foto: dpa

Update Zum dritten Mal lud die Linkspartei zu ihrem Politischen Jahresauftakt. Gut 600 Genossen kamen ins Berliner Kosmos-Kino, viele von ihnen im Rentenalter. Einen politischen Aufbruch gab es nicht. Aber nun gibt es Neuigkeiten im Führungsstreit.

Die Linke will ihre Führungsdebatte bis zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai aussetzen. Darauf verständigte sich der geschäftsführende Bundesvorstand am Montag mit den Landeschefs, wie ein Parteisprecher am Abend nach der Sitzung der Nachrichtenagentur dpa sagte. Erst nach der Wahl sollen sich die Kandidaten für die künftige Doppelspitze auf Regionalkonferenzen vorstellen. Bisher haben nur die jetzige Vorsitzende Gesine Lötzsch und Fraktionsvize Dietmar Bartsch angekündigt, auf dem Parteitag in Göttingen Anfang Juni für die Spitzenämter zu kandidieren. Parteichef Klaus Ernst hat sich noch nicht erklärt.

Der Vorstoß von vier Landesverbänden für einen Mitgliederentscheid über die neue Parteispitze war in der vergangenen Woche am Veto des geschäftsführenden Bundesvorstands gescheitert.

Die Antragsteller versicherten nach Angaben des Sprechers am Montag, die Entscheidung nicht bei der Bundesschiedskommission anfechten zu wollen.

Zum wiederholten Mal verkündet die Linke ein Ende der innerparteilichen Selbstbeschäftigung. Beim Politischen Jahresauftakt seiner Partei am Montag in Berlin nannte der Vorsitzende Klaus Ernst diese „unsäglich“. Im fünften Jahr ihres Bestehens schlage für die Linke die „Stunde der Bewährung“, sagte er. Zur Zeit dringe seine Partei mit ihren Botschaften leider nicht durch, sie müsse sich endlich wieder auf Inhalte und „klare Positionen“ konzentrieren und zu einer „echten Kümmererpartei“ werden.

Fraktionschef Gregor Gysi unterstützte diesen Vorsatz. Von jetzt an beginne die „Selbstdarstellung der Partei“, versicherte er in seiner Rede im Kosmos-Kino im Stadtteil Friedrichshain vor den gut 600, überwiegend älteren Teilnehmern. Die Linke müsse „wieder real Politik machen an der Seite der Bürger“. Gysi fügte hinzu: „Jeder muss erkennen: Die wollen also das und das – und das ist vernünftig.“ Zugleich griff Gysi die SPD scharf an. Sie habe zuletzt in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wie selbstverständlich Bündnisse mit der Union anderen Koalitionsoptionen vorgezogen. Sie werde auch im Saarland „willfährig“ als Juniorpartner der CDU in eine Regierung eintreten, erhoffe sich auch im Bund eine große Koalition. „Die SPD will doch gar nicht zu einem linken Lager gehören“, kritisierte Gysi.

Es war die dritte Veranstaltung dieser Art. Vor zwei Jahren diente der Jahresauftakt dazu, den langjährigen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch quasi zu feuern, weil er sich angeblich illoyal gegenüber dem damaligen Parteichef Oskar Lafontaine verhalten hatte. Vor einem Jahr galt das Treffen der Abrechnung mit der Vorsitzenden Gesine Lötzsch, die eine verheerende Debatte über „Wege zum Kommunismus“ angestoßen hatte. Am Montag kam Lötzsch erst zum Ende der Veranstaltung zu Wort, als sich die Sitzreihen im Kosmos bereits merklich gelichtet hatten. Auch sie beschwor die innerparteiliche Solidarität: „Wir müssen zusammenhalten, wir können zusammenhalten.“

Sowohl Ernst als auch Lötzsch begrüßten, dass Gysi, der am Montag 64 wurde, sich selbst zum Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl ausgerufen hatte und auch Lafontaine dafür verpflichten will. Ernst sagte, Gysi verkörpere ein Stück weit das Rentenkonzept der Linken. „Keiner muss länger als 65 arbeiten. Aber wenn er das will, darf er das auch.“ Lafontaine selbst hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. (mit dpa)

Videos - Politik

Umfrage

Was halten Sie vom neuen Grass-Gedicht?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite