Politologe : Parteien laufen weiter die Mitglieder weg

Die großen Parteien werden in nächster Zukunft den Verlust von Mitgliedern nicht aufhalten können, glaubt der Politologe Jürgen Falter. Der Schwund bei der SPD würde allerdings nicht am schlechten Image von Boss Kurt Beck liegen. Die Sozialdemokraten seien aus anderen Gründen gleich doppelt bestraft.

MainzDer Mitgliederschwund bei den großen Parteien in Deutschland wird sich nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Jürgen Falter fortsetzen. "Es ist ja nicht so, dass der jetzt stoppen würde, nur weil die CDU die SPD auf dem Weg nach unten ausgestochen hat", sagte Falter.

Die CDU hatte Ende Juni die SPD als mitgliederstärkste Partei Deutschlands abgelöst. Die genauen Zahlen will CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla an diesem Montag in Berlin vorstellen. Die CDU hatte Ende Mai 531.300 Mitglieder und lag nur knapp hinter der SPD mit 531.740 Mitgliedern. Ende Juni zählte die SPD noch 529.994 Parteimitglieder.

Doppelter Aderlass bei der SPD

Dass die Rückgänge bei den Sozialdemokraten größer sind als bei den Christdemokraten, liegt nach den Worten von Falter am "doppelten Aderlass der SPD" in den vergangenen 20 Jahren. "Das sind zum einen die Grünen, die ja aus dem Fleisch der SPD geschnitten worden sind, und zum anderen die Linke, die wiederum einen Schnitt ins Fleisch der SPD bedeutet", sagte der Politologe. "Da findet eine Auszehrung statt, gegen die fast kein Kraut gewachsen ist."

Mit den schlechten Umfragewerten für den SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck haben die Mitgliederrückgänge seiner Partei nach der Einschätzung von Falter nichts zu tun. "Die Entwicklung hat es ja lange vor Kurt Beck gegeben, und es ist auch keine echte Beschleunigung feststellbar." Die CDU stelle mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar die beliebtesten Politiker, verliere aber trotzdem Anhänger.

Als Grund für die Mitgliederverluste bei den großen Parteien nannte Falter die "Unlust von immer mehr Menschen, sich in formalen Organisationen auf Dauer zu binden". Parteien hafte gerade bei Jüngeren etwas Verstaubtes an. "Man möchte lieber spontan reagieren, etwa in Bürgerinitiativen." Zudem sei das Zutrauen in die Parteien insgesamt gesunken. (mbo/dpa)

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