Politik : Polizei sieht Mord an Lindh aufgeklärt

Schwedische Behörden ermitteln nur noch gegen den 24-Jährigen / Zeitung: Verdächtiger nicht vernehmungsfähig

Sven Lemkemeyer

Stockholm/Berlin. Die schwedische Polizei hält die Ermordung der Außenministerin Anna Lindh nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen für geklärt. Mehrere Zeitungen berichteten am Sonntag unter Berufung auf Stockholms Polizeichefin Carin Götblad, die Fahnder konzentrierten sich jetzt voll auf den in Untersuchungshaft sitzenden 24-jährigen Mann. Andere Spuren würden nicht mehr verfolgt. Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass der Hauptverdächtige schwer psychisch krank ist. Medienberichten zufolge hat er Stunden vor dem Attentat bei einem psychiatrischen Notdienst vergeblich um Behandlung gebeten.

Götblad sagte der Zeitung „Dagens Nyheter“, der Tatverdacht „ist aus unserer Sicht äußerst stark“. Für Anfang dieser Woche wird aus einem britischen Speziallabor die Analyse von DNA-Spuren an der Tatwaffe erwartet. Bislang nicht offiziell bestätigt ist, dass der genetische Fingerabdruck des Verdächtigen auch auf einer in der Nähe des Tatorts gefundenen Baseballkappe zusammen mit der DNA von Lindh gefunden worden ist. Die Polizei will ihre Beweise erst öffentlich präsentieren, wenn Anklage erhoben worden ist.

Lindh war am 10. September in einem Kaufhaus in Stockholm von einem Mann mit mehreren Messerstichen verletzt worden und einen Tag später gestorben. Die 46-jährige Außenministerin hatte beim Einkaufen keine Leibwächter. Beamte der für Personenschutz zuständigen Sicherheitspolizei Säpo bestätigten „Dagens Nyheter“, dass das Außenministerium während der Euro-Kampagne mehrfach vergeblich um Leibwächter für Lindh gebeten hatte.

Wie die Boulevardzeitung „Aftonbladet“ unter Berufung auf Ermittler berichtete, wollte sich der aus Jugoslawien stammende Mann wenige Stunden vor dem Angriff auf Lindh in psychiatrische Behandlung begeben. Er sei von dem Notdienst jedoch als „nicht ernsthaft krank genug“ abgelehnt worden. Mehreren Berichten zufolge ist der Mann zudem am 17. September nach einer Panikattacke von einer Polizeistreife zu einem Notdienst gefahren worden. Die Beamten hatten aber nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, um wen es sich handelte. Die Zeitung „Expressen“ schrieb, der Mann, für den das Gericht die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens angeordnet hat, sei zurzeit nicht vernehmungsfähig. Er leide unter einen akuten Psychose.

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