Polizei verhaftet Verdächtige : Islamisten wollten offenbar Queen erstechen

Britische Medien berichten von einem geplanten Anschlag auf die Queen. Im Land gilt nun die zweithöchste Terrorwarnstufe.

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Queen Elizabeth II besucht eine Installation am Tower of London. Mit rotem Mohn aus Keramik erinnern die Briten an den Ersten Weltkrieg.
Queen Elizabeth II besucht eine Installation am Tower of London. Mit rotem Mohn aus Keramik erinnern die Briten an den Ersten...Foto: dpa

Die Queen und Mitglieder der Royal Family werden heute bei der feierlichen Kranzniederlegung am Grabmal des Unbekannten Soldaten in London besonders scharf bewacht: Nach Angaben der Zeitung „The Sun“ hat die Antiterror-Polizei und der Geheimdienst MI5 durch eine Serie von Verhaftungen ein geplantes Attentat auf die Queen vereitelt. Scotland Yard bestätigte, die Verhaftungen stünden im Zusammenhang mit „islamistischem Terrorismus“. Erst vor Kurzem war in Kanada ein Soldat von Islamisten ermordet worden, der in Ottawa das Grabmal des Unbekannten Soldaten bewachte. Laut „Sun“ wollten die vier Verhafteten die Queen in der Royal Albert Hall „mit Messern erstechen“, wo sie am Samstagabend am „Festival of Remembrance“ des britischen Veteranenverbands Royal British Legion teilnehmen sollte.

Hausdurchsuchungen und Ermittlungen

Die Polizei teilte lediglich mit, vier Männer seien wegen der „Beauftragung, Vorbereitung und Anstiftung terroristischer Akte“ verhaftet worden. Offenbar standen die vier seit Monaten unter Beobachtung der Sicherheitsdienste. Zeitungen sprachen von einem „Poppy plot“ und brachten damit die mutmaßliche Terrorverschwörung in direkten Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum Gedenken an die gefallenen Soldaten, die wegen des 100. Jahrestags des Weltkriegsbeginns diesmal besonders emotional sind. Die Mohnblüte - Poppy - hat es in der englischsprachigen Welt zum Symbol des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg gebracht. Die Pflanze wuchs auf den Schlachtfeldern Europas. Am Londoner Tower zieht ein Meer aus mehr als 880000 roten Keramikblumen Millionen Besucher an. Das Festival der Veteranenverbände in der Royal Albert Hall ist Teil der Feierlichkeiten. Eintrittskarten für die Veranstaltung sind frei verkäuflich. Die Kranzniederlegung am „Remembrance Sunday“, die Schweigeminute und das Glockengeläut am Waffenstillstandstag am 11. November sind die Höhepunkte der jährlichen Gedenkfeiern. Am Samstag gingen Hausdurchsuchungen und Ermittlungen an mehreren Orten im Großraum London weiter.

Verbindungen zum "Islamischen Staat"?

Die vier Männer im Alter von 19 bis 27 Jahren wurden in der Nacht zum Freitag an vier Orten in Westlondon und in Buckinghamshire festgenommen; der jüngste, Yousaf Syed, unter Einsatz bewaffneter Polizeieinheiten in High Wycombe in Buckinghamshire. Dort heckten auch 2006 die „Flüssigkeitsbomber“ ihre Pläne aus, die ein halbes Dutzend Transatlantikflüge sprengen wollten und damit die Flugabfertigung für Menschen in aller Welt dauerhaft veränderten. Syeds Haus war bereits im April im Rahmen von Ermittlungen gegen potenzielle Dschihadisten durchsucht worden, die nach Syrien reisen wollten, um für den „Islamischen Staat“ (IS) zu kämpfen. Syed soll erst vor Kurzem aus Pakistan zurückgekehrt sein. Seine Mutter hatte ihren Sohn als „zornigen jungen Mann“ bezeichnet: „Er ist jung und er hat gerade erst seinen Glauben entdeckt.“ Premier David Cameron hatte im September nach dem Islamistenangriff auf das kanadische Parlament eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen in London angeordnet – auch, weil die Polizei Wind von den Plänen bekam, Polizisten oder Soldaten zu entführen und im Stil der IS Dschihadisten „hinzurichten“. Zuvor wurde die Terror-Alarmstufe für Großbritannien auf die zweithöchste Stufe angehoben. Dies bedeutet, dass eine Attacke den Geheimdiensten zufolge „höchst wahrscheinlich“ ist.

"Remembrance Day" schon häufiger Anschlagsziel

Grund ist die wachsende Sorge in Sicherheitskreisen über Hunderte von aus Syrien und dem Irak zurückkehrender IS-Dschihadisten und der Aufruf der IS an ihre Anhänger im Westen, „sich zu erheben“ und in ihren Heimatländern Terrorakte zu verüben. Dschihadisten gelobten, die schwarze IS-Fahne „auf dem Buckingham Palast“ zu hissen. Mindestens 24 britische Dschihadisten sind bei Kämpfen in Syrien getötet worden. Eine jüngst von der „Times“ veröffentlichte Umfrage ergab, dass 14 Prozent der unter 24-jährigen Erwachsen in Großbritannien eine „positive oder warmherzige“ Einstellung gegenüber IS“ haben. Höhepunkt der „Poppy-Feiern“ ist heute die Kranzniederlegung am „Cenotaph“ für den Unbekannten Soldaten unweit der Downing Street. Nun soll ein „Ring aus Stahl“ die heutige Kranzniederlegung schützen, an der traditionellerweise neben der Queen und der Royal Family der Premierminister, Kabinettsmitglieder, Oppositionspolitiker sowie Generäle und Admirale teilnehmen. Die Staatstrauer am „Remembrance Day“ war immer schon öfter Zielscheibe für Terroristen: 1987 töteten irische Terroristen der IRA in Enniskillen in Nordirland am „Remembrance Sunday“ elf Menschen und verwundeten 68 weitere durch eine Bombe.

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