• Polizist in Bremen soll Frauen in Haft missbraucht haben Fall zunächst geheim gehalten Gibt es noch weitere Täter?

Politik : Polizist in Bremen soll Frauen in Haft missbraucht haben Fall zunächst geheim gehalten Gibt es noch weitere Täter?

Eckhard Stengel

Bremens Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) und Polizeipräsident Eckard Mordhorst sind entsetzt über sexuelle Übergriffe im Bremer Polizeigewahrsam: Ein mittlerweile suspendierter Polizist soll 1998 und 1999 weibliche Abschiebehäftlinge sexuell missbraucht haben. Womöglich gab es noch weitere Täter oder Mitwisser. Röwekamp äußerte sich empört über „diese abscheuliche Tat eines einzelnen Beamten“. Er habe Polizeipräsident Mordhorst aufgefordert, die Vorwürfe „mit höchster Priorität“ aufzuklären. Mordhorst sagte im Sender Radio Bremen: „Ich schäme mich für das, was da passiert ist.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zunächst nur gegen einen Beamten wegen „sexuellen Missbrauchs von Gefangenen“. Der 46-jährige Polizist soll Abschiebehäftlinge – darunter auch Prostituierte – „unter Missbrauch seiner Stellung“ zu Sex in seinem Büro oder in den Zellen gedrängt haben, was auch ohne körperliche Gewalt strafbar ist. In vier Fällen soll er dabei Fotos per Selbstauslöser gemacht haben, die inzwischen als Beweismittel beschlagnahmt wurden.

Nach Darstellung der „Bild“-Zeitung, die den zunächst geheim gehaltenen Fall publik machte, soll der Beschuldigte „zahlreiche Mitwisser und Helfer“ gehabt haben. Ein „Ex-Mitarbeiter“ wurde von dem Boulevardblatt mit den Worten zitiert: „Eine Standardfrage war: Ist schon wieder Frischfleisch eingetroffen? Oft rückten sie den Frauen noch am selben Tag auf die Pelle.“

Die Frauen selber hatten keine Anzeige erstattet. „Vielleicht hatten sie keine Chance mehr dazu, weil sie jeweils kurze Zeit später abgeschoben wurden", sagte am Donnerstag ein Justizsprecher dem Tagesspiegel. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion forderte, die Vorfälle umfassend aufzuklären. Um inhaftierte Frauen besser zu schützen, müsse der Bewachungsdienst umorganisiert und das Personal möglichst durch weibliche Beamte verstärkt werden.

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