Politik : Polnischer Spitzel im Vatikan?

Thomas Roser

Warschau - Vergeblich beteuert der Mann mit den weißen Haaren seine Unschuld. Er sei kein Agent des Geheimdienstes gewesen, es müsse sich um eine Verwechslung handeln, versichert Konrad Hejmo, Polens Pilgerpater im Vatikan. Doch rein scheint selbst nach Ansicht seines Ordenschefs Maciej Zieba allenfalls die weiße Kutte des Dominikanerpriesters zu sein: „Überzeugend und schockierend“ sei die 700 Seiten starke Akte, die den langjährigen Vertrauten von Papst Johannes Paul II. als früheren Stasi-Spitzel ausweist. „Vater Hejmo denunzierte den Papst“, alarmierte am Donnerstag die Zeitung „Zycie Warzsawy“ ihre Leser. „Judas“ titelte kurz und empört das Boulevardblatt „Fakt“.

Unter den Decknamen „Dominik“ oder „Hejnal“ wurde der Geistliche zu sozialistischen Zeiten in den Akten des polnischen Geheimdienstes (SB) geführt, deren Inhalt das Warschauer Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) nun veröffentlicht hat. Das Institut hat in Polen die gleichen Aufgaben wie die Birthler-Behörde in Deutschland. Bereits Ende der siebziger Jahre, als die Gewerkschaft Solidarnosc mit Unterstützung der katholischen Kirche erfolgreich gegen das sozialistische Regime zu opponieren begann, soll Hejmo dem SB vertrauliche Informationen über Karol Wojtyla zugesteckt haben: Mit dem späteren Papst pflegte der heute 69-Jährige bereits seit seiner Studienzeit in Krakau freundschaftliche Kontakte.

1979 wechselte der Dominikanerpriester von Posen nach Rom, wo er zunächst im Pressebüro des polnischen Episkopats tätig war. Seinen Landsleuten wurde Hejmo vor allem nach seiner Ernennung zum Chef des polnischen Pilgerhauses 1984 bekannt. Der beschuldigte Pater nannte im polnischen Fernsehen die Vorwürfe „absurd“. Indes könnten weitere Enthüllungen folgen: Immer heftiger kursieren an der Weichsel die Gerüchte, dass selbst Jugendfreunde und Bischöfe im Auftrag des SB Polens Papst bespitzelten.

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