Polonium-Fund : Entwarnung für Kowtun-Umfeld

Nach dem Polonium-Fund in Hamburg haben die Behörden für die vier Menschen aus dem Umfeld des russischen Geschäftsmanns Dimitri Kowtun Entwarnung gegeben.

Hamburg - "Nach dem bisherigen Stand unserer Ermittlungen können wir jede Gefahr für die betroffenen vier Personen definitiv ausschließen", sagte der Einsatzleiter des Bundesamtes für Strahlenschutz, Gerald Kirchner, im RBB mit Blick auf den Verstrahlungsverdacht bei Kowtuns Ex-Frau, ihren beiden Kindern und ihrem Lebensgefährten. Die Hamburger Gesundheitsbehörde erklärte, es bestehe auch keine Gefahr für die Bewohner der Hansestadt. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte unterdessen Russland zu umfassender Mithilfe bei der Aufklärung des Falls des vergifteten russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko auf.

"Wir denken, dass eine uneingeschränkte Kooperation notwendig ist", sagte Rice. Die Ministerin nannte den Fall "beunruhigend". In die Ermittlungen schaltete sich mittlerweile auch Interpol ein. Da in mehreren Ländern ermittelt werde, wolle die internationale Polizeiorganisation sicherstellen, dass alle Informationen ausgetauscht würden, teilte der Chef von Interpol in Russland, Timur Lachonin, in Moskau mit. Litwinenko hatte Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf dem Sterbebett für den Anschlag auf ihn verantwortlich gemacht. Die russische Regierung bestreitet jede Verwicklung in den Fall.

Hamburger Polizei ermittelt gegen Kowtun

Derweil stellten die Hamburger Ermittler ein Rechtshilfeersuchen zu Litwinenkos Kontaktmann Kowtun an Russland. Das Ersuchen solle über die Staatsanwaltschaft an die russischen Behörden weitergeleitet werden. Die Hamburger Polizei ermittelt gegen Kowtun wegen Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen und des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen. Kowtun soll auf noch ungeklärte Weise in den Mord an Litwinenko verwickelt gewesen sein. Er hatte vor seinem Weiterflug von Moskau nach London, wo er mit Litwinenko zusammengetroffen war, vom 28. Oktober bis 1. November in Hamburg einen Zwischenstopp eingelegt. Dabei hatte er in der Wohnung seiner Ex-Frau übernachtet, wo die Ermittler Spuren von Polonium fanden.

Kowtuns Ex-Frau, ihre Kinder und ihr Lebensgefährte waren vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. Laut Kirchner entspricht die Kontamination der Wohnung in etwa der Strahlenbelastung, die ein Raucher beim Konsum mehrerer Päckchen Zigaretten oder mehrerer starker Zigarren auf sich nehme. Wie der behandelnde Nuklearmediziner Bernhard Leisner sagte, geht es den vier gesundheitlich gut. Endgültigen Aufschluss über eine mögliche Verstrahlung müsse aber die Analyse von Urinproben bringen, deren Untersuchungsergebnisse nicht vor Donnerstag erwartet werden.

Transport radioaktiven Materials soll verhindert werden

Unterdessen setzte die Hamburger Sonderkommission ihre Arbeit vor allem mit der Untersuchung des Hauses von Kowtuns Ex-Schwiegermutter in Haselau im Kreis Pinneberg fort, wo ebenfalls Polonium-Spuren gefunden worden waren. Begleitet werden die deutschen Ermittler von einem Scotland-Yard-Beamten, der seit Montag in Hamburg ist und auf Erkenntnisse für die britischen Ermittlungen zum Fall Litwinenko hofft. Der frühere KGB-Agent starb am 23. November in der britischen Hauptstadt an einer Polonium-Vergiftung.

Die Innenexperten von Union und FDP fordern als Konsequenz aus dem Fall von der Bundesregierung Maßnahmen, um den Transport radioaktiven Materials zu verhindern. "Der Bundesinnenminister muss klären, ob und wie illegaler Transport von radioaktivem Material im Flugverkehr verhindert werden kann", sagte der innenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Max Stadler, der "Passauer Neuen Presse". Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), sprach sich in dem Blatt für eine Überprüfung aus. (tso/AFP)

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