Poltitologe : Stoiber hat "Eigentor" geschossen

Göttingen (11.08.2005, 12:33 Uhr) - Die Wahlkampfäußerungen von CSU-Chef Edmund Stoiber über die «Frustrierten» in Ostdeutschland sind aus Sicht des Politologen Peter Lösche «extrem kontraproduktiv» für die Union. «Potenzielle Wähler der Union nicht nur im Osten werden verschreckt», sagte Lösche, Professor an der Universität Göttingen, am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. Stoiber habe der gesamten Union geschadet und damit ein «Eigentor» geschossen.

Stoiber hatte am Donnerstag vergangener Woche in Argenbühl in Baden-Württemberg gesagt: «Ich akzeptiere es nicht, dass letzten Endes erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird.» Er fügte hinzu: «Es darf nicht sein, und das ist der Appell auch an alle Vernünftigen - es darf nicht sein, dass letztlich die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen.»

Lösche sagte, die Äußerungen Stoibers seien unsinnig und falsch. «Frustrierte gibt es nicht nur in Ostdeutschland, sondern etwa auch im Ruhrgebiet.» Unions-Kanzlerkandidatin und CDU-Chefin Angela Merkel sollte aber «nicht explizit» auf die Bemerkungen Stoibers reagieren. «Merkel sollte sich nicht auf ein Pingpong-Spiel mit Stoiber einlassen, sonst wird dies öffentlich als Machtkampf wahrgenommen.» Lösche sagte, Merkel solle CDU-Ministerpräsidenten aus dem Osten «vorschicken» und Kritik an Stoiber äußern lassen.

Zudem sagte der Politologe, auch die Tatsache, dass Stoiber öffentlich noch nicht erklärt habe, ob er im Falle eines Wahlsiegs in eine Regierung Merkel eintrete, sei kontraproduktiv. «Stoiber schadet damit nicht nur Merkel, sondern der gesamten Union.» (tso)

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