Porträt : Amir Perez - Sprachrohr der Armen

Tel Aviv - Der aus Marokko stammende Amir Perez (53) gilt in Israel als Sprachrohr der Unterprivilegierten, sein Markenzeichen ist der buschige schwarze Schnauzbart. Der kraftvolle Gewerkschaftsführer lebt bis heute in der armen Entwicklungsstadt Sderot am Rande des Gazastreifens.

Der am 9. März 1952 geborene Vater von vier Kindern kommt selbst aus sehr einfachen Verhältnissen: Als Sohn eines Fabrikarbeiters und einer Hausfrau lebte er nach der Emigration seiner Familie nach Israel zunächst in einem Übergangslager für Einwanderer. Der ehemalige Hauptmann in der israelischen Armee wurde 1974 bei einem Militäreinsatz auf der Sinai-Halbinsel schwer verletzt und war ein Jahr lang ans Bett und später an den Rollstuhl gefesselt. Noch in dieser Zeit begann er, als Landwirt zu arbeiten.

Erst danach erklomm er mit zäher Geduld die politische Sprossenleiter: Anfang der 80er Jahre übernahm Perez das Amt des Bürgermeisters in seiner Heimatstadt an der Peripherie Israels. Seit 1988 ist er Parlamentsabgeordneter, erst für die Arbeitspartei, dann als Vorsitzender der Kleinpartei «Am Echad» (Ein Volk), die bei den letzten Wahlen drei Mandate gewann und sich dann zuletzt wieder mit der großen Bruderpartei zusammen schloss.

Vor zehn Jahren übernahm der dynamische, meist gut gelaunt auftretende Mann die Führung des einflussreichen Gewerkschaftsdachverbands Histadrut. Mit Streiks, die das Land lahm legten, hat er in der Vergangenheit mehrfach den öffentlichen Zorn auf sich gezogen. Der 53-Jährige ist der erste Jude nordafrikanischer Abstammung, der den Vorsitz der israelischen Arbeitspartei erringt, deren Spitze bislang vorwiegend von Mitgliedern der osteuropäischen Elite gestellt wurde. (tso/dpa)

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