Porträt : Christian Lindner wird FDP-Generalsekretär

Wer den künftigen FDP-Generalsekretär Lindner erstmals sieht, bekommt einen Schreck: Er ist nicht nur jung, sondern sieht auch sehr jung aus. Dennoch muss er die Partei programmatisch voranbringen - und aufpassen, dass seine "gesellschaftspolitische Vision" nicht nur schöne Theorie bleibt.

Armin Lehmann
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Christian Lindner -Foto: ddp

Berlin - Es waren noch ein paar Minuten Zeit, bis FDP-Chef Guido Westerwelle am Montag offiziell seinen neuen Generalsekretär Christian Lindner vorstellte, als Philipp Rösler mit einen Rollkoffer an den aufgebauten Kameras vorbeikam. Der 36-jährige Gesundheitsminister wurde später von Westerwelle als Kronzeuge erwähnt, dass es seiner Partei an liberalen Talenten nicht mangele. Aber Röslers zufälliger Auftritt hatte auch deshalb eine gewisse Symbolik, weil der Niedersachse, wenn er es gewollt hätte, auch einen eigenen Kandidaten als Generalsekretär hätte durchboxen können: den aus Niedersachsen kommenden FDP-Verkehrsexperten Patrick Döring. Doch Rösler weiß, dass er langfristig in der FDP mit Christian Lindner eine gewichtige Rolle spielen wird; der übliche Länderproporz hatte da dieses Mal eher geringe Bedeutung.

Es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit, die Rösler und Lindner zu Freunden im Geiste macht: die programmatische Weitung der Partei als Gesellschaftspartei mit sozialerem Antlitz; weg von der reinen Klientelpartei. Beide haben den 400 Seiten starken Band „Freiheit: gefühlt, gedacht, gelebt“ herausgebracht, in dem sich zahlreiche Beiträge der eher jungen FDP-Generation finden, meist mit dem Tenor: Nur Partei für Steuersenkungen sein reicht nicht mehr. Und so schwärmte Guido Westerwelle bei der Vorstellung Lindners von dessen „frischer, dynamischer Art“ und stellte klar, dass Lindners erste Aufgabe darin bestehe, die Programmdebatte der Partei zu moderieren und mit „Tiefgang“ zu versehen, wobei man den letzten Teil durchaus als Kritik an Lindners Vorgänger Dirk Niebel deuten konnte, der eher in der Abteilung Attacke zu Hause war.

Lindner, Reservist der Bundeswehr, wird im Januar zwar erst 31, in der FDP spielt er aber seit längerer Zeit eine Rolle. In Nordrhein-Westfalen wurde der gebürtige Wuppertaler und studierte Politologe mit 21 Jahren jüngster Abgeordneter, er machte sich für eine moderne Familien- und Bildungspolitik stark, und er führte die NRW-FDP seit 2004 als Generalsekretär. Jürgen Möllemann nannte ihn einst „Bambi“, ein Spitzname, den er hasste. Wer Lindner nur hört, denkt wegen dessen tiefer, klarer Stimme an einen eher älteren Herrn. Wer Lindner dann erstmals sieht, bekommt einen Schreck, weil er nicht nur jung ist, sondern auch sehr jung aussieht. Seine parteiinternen Kritiker, die sich selbstverständlich nicht öffentlich äußern wollen, halten ihn für „glatt“ und „nicht trocken hinter den Ohren“. Am Montag hat er sich selbst nicht charakterisieren wollen, um dann doch zu sagen: „Ich bin gerne vor der Front aktiv, aber nicht mit dem Säbel, eher mit dem Florett.“ Diese Art von Selbstbewusstsein ist es wohl, die auch Westerwelle schätzt, denn er war nicht anders, als er selbst mit 32 Jahren das Amt des Generalsekretärs übernahm. Doch jetzt, wo die Partei wieder in der Regierungsverantwortung angekommen ist, könnte zu viel „gesellschaftspolitische Vision“, von der Lindner am Montag sprach, schnell zum Problem werden – wenn sie nur schöne Theorie bleibt.

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