Porträt : Der Terrorist im Ballack-Trikot

Seine Deutschkenntnisse reichten nicht aus, um das Ingenieur-Studium zu packen und sein Wissen über den Bau von Bomben reichte nicht, um unschuldige Menschen zu töten, wie er es geplant hatte. Ein Porträt über den Kofferbomber Youssef El Hajdib.

Düsseldorf Der "Kofferbomber von Köln", Youssef El Hajdib, kam zum Studium nach Deutschland. Mehrere Bewerbungen um einen Studienplatz scheiterten jedoch an seinen mangelhaften Deutschkenntnissen. Der 24-jährige Libanese ist das jüngste von 13 Kindern in seiner Familie. Er wuchs nach eigener Aussage als verwöhntes "Nesthäkchen" auf. Zwei seiner Brüder starben bei Kampfhandlungen im Nahen Osten, zwei weitere sitzen unter Terrorverdacht im Libanon in Haft.

Nach Ansicht der psychiatrischen und psychologischen Gutachter ist er in die Rolle des Gotteskriegers geschlüpft, weil er dem Erwartungsdruck seiner Eltern nicht gerecht werden konnte. Sie hatten ihn als Diplomingenieur aus Deutschland zurückerwartet. Der selbst ernannte Gotteskrieger, der am Tattag in einem Trikot des Fußballers Michael Ballack von einer Videokamera im Kölner Hauptbahnhof aufgenommen worden war, sei ein Studienversager mit Psycho-Krise und Selbstwertproblemen, argumentierten die Gutachter.

"Halt in der Religion"

Youssef El Hajdib sei durchschnittlich intelligent, aber nicht gerade fleißig und diszipliniert. Nach seinem Fehlstart in Deutschland habe er "Halt in der Religion gefunden", hatte er vor Gericht ausgesagt. Dieser Halt trieb ihn in Kiel auf die Straße, um lauthals eifernd gegen die Mohammed-Karikaturen zu protestieren. Schließlich bastelte er in Köln die Kofferbomben.

Mit seinem islamistischen Weltbild rechtfertigte er die wahllose Tötung unschuldiger Menschen. Kurz vor dem Anschlagsversuch in Köln kam einer seiner Brüder bei einem israelischen Luftangriff im Libanon ums Leben. Außerdem starb sein großes Idol, der Terroristenführer Abu Mussab al-Sarkawi, im Irak. (mpr/dpa)

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