Porträt : Ein israelischer Donald-Trump-Verschnitt

Der rechte Rapper „Hatzel“ ist in die Regierungspartei Likud eingetreten. Dort gibt er den Krawallmacher und will einen Rechtsruck herbeiführen.

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Selbst Netanjahu ist ihm zu lasch: Yoav Eliasi alias "Der Schatten".
Selbst Netanjahu ist ihm zu lasch: Yoav Eliasi alias "Der Schatten".Screenshot: Facebook/TheShadow69

An, nun ja, kreativen Einfällen zur Eindämmung von Terrorismus mangelt es Yoav Eliasi nicht. Man solle getöteten arabischen Attentätern die Organe herausnehmen und diese an Juden spenden, die sie bräuchten, schlug der bekannte israelische Rapper angesichts der Anschlagsserie in Israel im vergangenen Jahr vor. Auf diese Weise würde jeder Terrorist bis zu zehn Juden retten.

Und weiter: Vor ihrer Beerdigung sollten erschossene Attentäter kastriert werden. Dies sei eine gute Abschreckung, da Märtyrern im Islam 72 Jungfrauen versprochen würden, wenn sie ins Paradies einkehrten.

„Hat ein israelischer Rap-Star gerade die Lösung für den Terror gefunden?“ titelte eine rechte Nachrichtenseite und nannte seinen Vorschlag mit der unfreiwilligen Organ-Spende „genial“.

Yoav Eliasi, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Hatzel“ (deutsch: „Der Schatten“) ist für manche die neue Hoffnung der rechtskonservativen Partei Likud von Premierminister Benjamin Netanjahu. Seit kurzem ist Eliasi Parteimitglied. Der Likud muss wieder mehr nach rechts rücken, findet er.

Während sich einige Likud-Politiker über den prominenten Beistand freuen, wollen andere Eliasis Beitritt anfechten. Der Rapper mischte im Sommer 2014 mit einer Schlägertruppe eine linke Demonstration auf.

Kritiker werden bepöbelt

Der 38-Jährige tritt meist in klischeehafter Gangster-Rap-Manier auf: Mit weiten T-Shirts, Goldketten um den Hals und der Mütze tief ins Gesicht gezogen. Seine Facebook-Seite ist gesäumt von gewaltverherrlichenden und homophoben Statements, seine knapp 250 000 Follower feiern ihn dafür. Anfang der Nullerjahre konnte er als Mitglied der Formation „Tact Family“ einige musikalische Erfolge feiern, mittlerweile fällt er eher durch Dampfplauderei auf. Im Internet nennen ihn einige bereits die israelische Version von Donald Trump.

Dem Likud-Politiker Benny Begin warf er jüngst vor, dessen Sohn werfe Steine auf Soldaten und die Tochter sei zum Islam konvertiert. Begin dementierte. Der Sohn des ehemaligen Premiers Menachem Begin hatte zuvor gesagt, ein Mann wie Eliasi passe nicht zur Tradition der Partei.

Zusammen mit dem Rechtsaußen-Politiker Oren Hazan will Eliasi nun auch seine engsten Unterstützer, die er „Löwen“ nennt, mit ins Boot holen und eine „Likud Garde“ aufbauen. Der Rapper sei „wie ein Bruder“ für ihn, sagte Hazan. Vielleicht verbindet beide auch der Hang zu Zwielichtigem. Gegen Hazan werden Vorwürfe wegen Zuhälterei und Drogengeschäften erhoben.

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