Porträt Gilad Erdan : Netanjahus engster Vertrauter

Er ist seit Jahren der engste Vertraute des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. Sieht sich Gilad Erdan auch als dessen Nachfolger? „Ich rede darüber nicht, aber natürlich habe ich langfristige Träume“, sagt er.

Igal Avidan
Gilad Erdan
Gilad ErdanFoto: imago

Wenn an diesem Montagabend das israelische Parlament wohl den Weg zu Neuwahlen ebnet, wird es Innenminister Gilad Erdan besonders bedauern. Denn der Shooting Star der israelischen Politik betrat erst im November sein neues Amt. Der 44-jährige Rechtsanwalt ist seit Jahren der engste Vertraute des Premierministers Benjamin Netanjahu. Bei den letzten beiden Mitgliederbefragungen des regierenden Likud kam er auf Platz zwei. Aber sobald das Parlament Neuwahlen für den 17. März verkündet, beginnt das große Ringen um die Führung des Likud. Netanjahu erwartet ein harter Kampf.
„Ich wurde nicht als Minister geboren“, sagt Erdan in Berlin, wo er als Gast der zionistischen Organisation Keren Hayesod war. Er ist wohl der einzige israelische Minister, der um die Schließung seines Ministeriums (für Heimatschutz) bat, um Doppelstrukturen zu vermeiden und Steuergelder zu sparen. Im Juli setzte er als Kommunikationsminister die Schließung und Neueröffnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegen heftigen Widerstand durch. Vor wenigen Tagen endete sein Kampf als voriger Umweltminister erfolgreich: Ein bereits genehmigtes Tourismusprojekt an einem der schönsten Strände wird zugunsten eines Nationalparks weichen müssen.

Zuerst der Abbau des iranischen Atomprogramms, dann die Zwei-Staaten-Lösung

Erdan ist der aktivste Minister des Likud, ein kluger, zielstrebiger und erbarmungsloser Politiker, wie ihm auch politische Gegner attestieren. Er steht zwar am rechten Rand der Partei, aber immer nah an Netanjahu. So protestierte er als Student gegen die Oslo-Verträge. Der frühere Scharon-Berater kritisierte dessen einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen. Netanjahus vorläufiges Einfrieren des Siedlungsbaus sei „unmoralisch“ – weil bisher ohne palästinensische Gegenleistung. Als Reaktion auf das palästinensische Streben nach einer UN-Mitgliedschaft („diplomatischer Terror“) schlug Erdan die Annektierung der jüdischen Siedlungsblöcke vor.
In Berlin stellte Erdan seine Prioritäten klar: zuerst der Abbau des iranischen Atomprogramms, dann die Zwei-Staaten-Lösung. Im Rahmen eines Friedensvertrags würde Israel auf manche Gebiete verzichten, und einige jüdische Siedler könnten unter palästinensischer Hoheit leben. Den palästinensischen Terror will er mit „Null Toleranz“ ebenso wie jegliche Diskriminierung arabischer Israelis bekämpfen. Sieht er sich als Nachfolger Netanjahus? „Ich rede darüber nicht, aber natürlich habe ich langfristige Träume.“

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