Porträt : Giorgio Napolitano - "Gentleman der alten Schule"

Rom - Mit Giorgio Napolitano (80) bekleidet zum ersten Mal in der Geschichte Italiens ein ehemaliger Kommunist das höchste Amt des Staates. Jedoch gilt er als einer der großen Modernisierer der Kommunistischen Partei PCI und war Anfang der 90er Jahre maßgeblich an deren Umwandlung in die sozialdemokratische DS (Democratici di Sinistra) beteiligt. Der neue Staatspräsident gilt als «großer Alter» der italienischen Politik. Wegbegleiter beschreiben ihn als einen bescheidenen und gemäßigten «Gentleman der alten Schule».

Am 29. Juni 1925 geboren, gründete Napolitano nach seinem Jurastudium eine antifaschistische und kommunistische Gruppe. 1945 trat er der PCI (Partito Comunista Italiano) bei und wurde 1953 zum Abgeordneten gewählt. Vaterfigur des Politikers mit dem schütteren Haar und der runden Brille war die große Führungspersönlichkeit der PCI, Giorgio Amendola (1907-1980), der ebenfalls zum Vertreter einer moderaten Richtung avancierte.

Bereits in der Vergangenheit hat Napolitano wichtige Ämter im Parlament bekleidet, so als Präsident der Abgeordnetenkammer (1992- 1994) und als Innenminister unter der ersten Regierung von Romano Prodi (1996-1998). Im vergangenen Jahr wurde er von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi zum Senator auf Lebenszeit ernannt.

In seiner Jugend war Napolitano unter anderem als Schauspieler tätig. Das Schreiben von Gedichten ist bis heute sein großes Hobby. Er hat mehrere politische Bücher geschrieben und ist mit Clio Napolitano verheiratet, mit der er zwei Söhne hat. (tso/dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben