Politik : Porträt: Gregor Gysi

Der redegewaltige Anwalt bleibt Zugpferd der PDS

Berlin (03.06.2005, 13:51 Uhr) - Gregor Gysi hat 1989 das Ende der SED und die Wende zur PDS gemeistert. Später überstand er als Star der Linkssozialisten scheinbar mühelos massive Stasi-Vorwürfe, Rote- Socken-Kampagnen und die Rücktritte als Fraktionschef im Bundestag und als erster Berliner PDS-Wirtschaftssenator. Sein Rückzug ins Privat- und Berufsleben als Rechtsanwalt änderte nichts daran, dass der brillante Redner der beliebteste PDS-Politiker blieb. Das Zugpferd soll der PDS nun im vorgezogenen Bundestagswahlkampf die Rückkehr in den Bundestag in Fraktionsstärke garantieren.

Trotz gesundheitlicher Handicaps nach einer schweren Gehirnoperation gab Gysi am Freitag dem Drängen seiner Partei nach. Als politisches Stehaufmännchen und Charmeur ist der promovierte Jurist oft beschrieben worden. Schon nach seinem Rücktritt im Oktober 2000 als Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion (seit 1994) half Gysi seiner Partei in der Not. Mit ihm an der Spitze konnte die Berliner PDS im Januar 2002 den ersten rot-roten Senat in der Hauptstadt bilden.

Das Bild des Vorzeige-Sozialisten bekam zwar wegen seiner Verwicklung in die Bonusmeilen-Affäre des Bundestags Kratzer. Sein Rücktritt als erster Berliner PDS-Wirtschaftssenator verhagelte der PDS auch gründlich die Bundestagswahl 2002. Die PDS schaffte als Fraktion nicht mehr den Einzug ins Parlament. Nur noch zwei direkt gewählte PDS-Abgeordnete sitzen dort. Dennoch soll es Gysi jetzt wieder richten. Am liebsten im Bündnis mit der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit will Gysi nun der SPD von links Druck machen und endlich der PDS auch im Westen zu mehr Akzeptanz verhelfen.

Gregor Gysi, am 16. Januar 1948 in Berlin geboren, trat politisch in der DDR nie groß in Erscheinung. SED-Mitglied wurde er 1967. Nach dem Fall der Mauer wendete er die DDR-Staatspartei SED durch Bruch mit der stalinistischen Vergangenheit in die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Auch der Wandel vom Mitglied der Volkskammer zum Parlamentarier des Bundestages gelang dem witzigen Redner problemlos. Doch Stasi-Vorwürfe bekam Gysi wiederholt von früheren DDR-Bürgerrechtlern. Sie vermuteten, dass ihr früherer Anwalt mit dem Mielke-Ministerium zusammengearbeitet hatte. Gysi hatte stets dementiert. (tso)

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