Porträt: Günther Beckstein : Vom "Schwarzen Sheriff" zum Landesvater

Ein Traum geht für den 63-jährigen Günther Beckstein in Erfüllung: Er hat das höchste Amt in Bayern inne. Lange hat es gedauert, bis er die Nachfolge Edmund Stoibers antreten konnte.

Carsten Hoefer[dpa]

MünchenEin Jahr vor Erreichen des Pensionsalters hat Günther Beckstein (CSU) es geschafft - im dritten Anlauf. Zwei Mal verhinderte sein Vorgänger Edmund Stoiber (CSU) in den vergangenen Jahren Becksteins Aufstieg zum bayerischen Ministerpräsidenten - laut weiß-blauer Folklore das "schönste Amt der Welt". Wenige Wochen vor seinem 64. Geburtstag hat sich für Beckstein mit der Wahl zum Regierungschef ein Traum erfüllt, der längst zerstoben schien. Und erstmals seit der Eingliederung Frankens vor 200 Jahren übernimmt ein Protestant aus Nürnberg das höchste Amt in Bayern - ein Novum im bisher von katholischen Oberbayern geprägten Freistaat.



Beckstein ist ein Mann mit zwei Gesichtern. Bundesweit gilt er als "schwarzer Sheriff", in Bayern ist er beliebt wie kein zweiter CSU- Politiker. "Nachdem Stoiber noch nichts gesagt hat, weiß ich nicht, was mein Wille ist", pflegte er früher zu scherzen. Das ist nun vorbei. Für viele in der Partei ist Beckstein die warmherzige Antithese zum aktenfressenden Technokraten Stoiber - obwohl auch Beckstein im Landtag stets mit dicken Aktenstapeln unter dem Arm gesichtet wird. Und ebenfalls im Gegensatz zum Solisten Stoiber gilt Beckstein CSU-intern als Mannschaftsspieler. "Vier Augen sehen mehr als zwei", sagt er über die Zusammenarbeit mit dem neuen CSU-Chef Erwin Huber. Und während Stoiber und seine Frau Karin in den vergangenen Jahren königlich-bayerisch repräsentierten, ist Beckstein ein fränkischer Bürger geblieben. Er wolle einen "Bürgerstaat", betonte Beckstein unmittelbar nach seiner Wahl im Landtag.

Karriere nimmt glanzvollen Lauf

Mehrfach scheiterten Becksteins Karrierehoffnungen in den vergangenen Jahren an Stoiber. Schon 2002 hätte er Chancen auf das Amt des Ministerpräsidenten gehabt, hätte nicht Stoiber als Unions-Kanzlerkandidat die Bundestagswahl verloren. 2005 konnte er nicht Regierungschef werden, weil Stoiber einen Rückzieher machte und doch nicht nach Berlin ging. Anders als viele oberbayerische CSU-Politiker trat Beckstein nicht aus Bewunderung für den Übervater Franz Josef Strauß in die Partei ein, sondern kam über die evangelische Jugend zur Politik.

Gemeinsam mit Stoiber zog der Jurist 1974 in den Bayerischen Landtag ein. Das enge Verhältnis zu Stoiber litt schwer unter der Revolte von Wildbad Kreuth im Januar dieses Jahres, die zum Rückzug Stoibers führte. Im Raum stand der Vorwurf des Putsches, den Beckstein jedoch energisch zurückweist.

Dialog mit dem Islam

Zwei Seiten hat der Innenminister auch als Sicherheitspolitiker: Öffentlichkeitswirksam macht Beckstein Front gegen Islamisten. Doch im Gegensatz zu vielen anderen in der CSU führt Beckstein seit Jahren den Dialog mit dem Islam und den türkischen Gemeinden in Bayern, wenn auch eher im Stillen. "Ich lade alle ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Dialog ein", sagte Beckstein in seiner kurzen Dankesansprache im Landtag - ebenfalls neue Töne. Als Ministerpräsident will Beckstein die CSU in der Mitte halten, weil dort die Mehrheit liegt, gleichzeitig aber auch der demokratischen Rechten eine Heimat bieten.

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