Porträt Herbert Schmalstieg : „Da werden wir schon was bewegen“

Hunderttausende Eltern können aufatmen: Der Kita-Streik ist nach vier Wochen zu Ende gegangen. Ab diesem Montag sind die Schlichter dran. Auch Herbert Schmalstieg (SPD) soll nun den festgefahrenen Konflikt lösen helfen. Ein Porträt.

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Auch auf ihn hoffen Millionen Eltern - Herbert Schmalstieg
Auch auf ihn hoffen Millionen Eltern - Herbert SchmalstiegFoto: dpa

Als Kind rodelte er auf den Trümmerbergen von Hannover. Die Nachkriegstage in seiner weitgehend zerbombten Heimatstadt haben Herbert Schmalstieg geprägt. Der Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit durchzieht die lange politische Karriere des „ewigen Oberbürgermeisters“ wie ein roter Faden; stolz verweist das langjährige SPD-Oberhaupt der niedersächsischen Landeshauptstadt vor allem auf die von ihm innig gepflegte Städtepartnerschaft mit dem atomwaffenzerstörten Hiroshima.

Jetzt sind friedensstiftende Qualitäten des mittlerweile 71-Jährigen erneut gefragt. Schmalstieg (SPD) soll als Schlichter den festgefahrenen Kita-Konflikt lösen helfen. Die Arbeitgeber benannten den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU). Hunderttausende Eltern können erst mal aufatmen: Der Kita-Streik ist nach vier Wochen zu Ende gegangen – an diesem Montag sind die Erzieher wieder für die Kinder da. Die Schlichter müssen nun bis zum 18. Juni einen Vorschlag auf den Tisch legen.

In die Karten lässt sich der gewiefte Taktiker Schmalstieg dabei nicht schauen, ist aber durchaus optimistisch: „Da werden wir schon was bewegen.“ Zuletzt gelang es ihm 2010, Bewegung in die damals stockenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst zu bringen. Vier von fünf lautet seine Erfolgsquote als Schlichter.

Fast 35 Jahre lang war „Schmalle“ Chef im Rathaus in Hannover

Dabei ist der frühere Städtetagpräsident selbst äußerst streitlustig. Für seine Überzeugungen setzt er sich so beharrlich ein, dass seine Gegner manchmal genervt aufstöhnen. Nach seinem Ausscheiden aus dem OB-Amt Ende 2006 ging er als Vertreter der Kommunen in die niedersächsische Härtefall-Kommission für abgelehnte Asylbewerber – und legte sich etliche Male mit dem damaligen CDU-Innenminister Uwe Schünemann an.

1972 wurde der Sparkassenbetriebswirt Oberbürgermeister, mit 28 Jahren der jüngste in Deutschland. Fast 35 Jahre war „Schmalle“ Chef im Rathaus, baute die internationalen Kontakte aus, schmiedete eine der ersten rot-grünen Koalitionen in einer Großstadt. „Hannover ist eine Weltmetropole“, wehrte er stets Lästereien über die angebliche Spießigkeit ab. Als den „größten Erfolg“ seiner langen Amtszeit bezeichnet Schmalstieg die Expo 2000 – ungeachtet des Besucherflops und des Schuldenbergs von 1,1 Milliarden Euro. Die Weltausstellung habe Hannover nicht nur einen schicken Hauptbahnhof, sondern auch mehr Selbstbewusstsein gebracht.

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