Porträt : Jelzin träumte von einem starken Russland

Ein starkes und blühendes Russland am Ausgang des 20. Jahrhunderts - dafür hatte Boris Jelzin als Präsident seines Landes stets gekämpft. Die Erfüllung seines Traumes erlebte der Sohn eines Bauern nicht mehr.

Moskau - Zumindest hat er seinen Nachfolger Wladimir Putin, den er nach seinem überraschenden Rücktritt am 31. Dezember 1999 an die Macht gebracht hatte, einige Jahre bei der Fortsetzung seines Lebenswerks beobachten können.

Jelzins Laufbahn, die er als sowjetischer Funktionär begann, war auch von Fehlern gekennzeichnet. Wegen des ersten Tschetschenien-Kriegs 1994 bis 1996 verlor er die Unterstützung vieler Demokraten. Vor allem aber mangelnde wirtschaftliche Erfolge kosteten ihn die Popularität der frühen Jahre. Im letzten Amtsjahr kamen auch noch Vorwürfe der Bestechlichkeit und persönlicher Bereicherung hinzu.

Gorbatschow holte Jelzin nach Moskau

Jelzin wurde am 1. Februar 1931 im Dorf Butka im Ural geboren. 1961 trat der spätere Bauingenieur in die KPdSU ein. Sein Weg führte ihn 1975 an die Spitze der Partei in Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinburg. KPdSU-Chef Michail Gorbatschow holte ihn zu Beginn der Perestroika-Zeit nach Moskau und machte ihn dort zum Parteichef.

Ende 1987 musste Jelzin, der radikalere Reformen forderte, sein Amt aufgeben. Mit 89 Prozent der Wählerstimmen im Rücken zog er 1989 jedoch in den Kongress der Volksdeputierten und anschließend in den russischen Volksdeputiertenkongress ein, der ihn im Mai 1990 zu seinem Vorsitzenden machte. Aus der Partei trat er bald aus.

Zwei Putsche verhindert

Nach der Wahl zum ersten Präsidenten Russlands im Juni 1991 brachte Jelzin im August durch seinen Widerstand den Putsch orthodoxer Kommunisten gegen Gorbatschow zum Scheitern. Mit den Staatschefs Weißrusslands und der Ukraine löste er im Dezember 1991 die Sowjetunion auf. Einen weiteren Putsch des kommunistischen Parlaments ließ er 1993 niederschlagen. 1996 schaffte Jelzin die Wiederwahl. In diese zweite Amtszeit fielen die schwere Herzoperation im November 1996 und die immer häufigeren Krankheiten, die seine politische Aktivität praktisch zum Stillstand brachten. (tso/dpa)

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