Politik : Porträt: Juan Luis Cipriani Thorne

Viele Peruaner reagierten mit Überraschung auf die Erwähnung ihres Kardinals Juan Luis Cipriani Thorne als einer der möglichen Nachfolger von Papst Johannes Paul II.

Lima (15.04.2005, 12:33 Uhr) - Der Erzbischof von Lima ist für kontroverse Äußerungen bekannt. Er löst auch in der Gesellschaft völlig entgegengesetzte Reaktionen aus.

Es sei ein Jammer, dass Johannes Paul II. ausgerechnet Cipriani an die Spitze der katholischen Kirche Perus gestellt habe, sagte etwa der Menschenrechtler Luis Pasara kurz nach dem Tod des Papstes. Cipriani vertrete extrem rechte Werte, sei ein enger Verbündeter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori gewesen und habe als Bischof von Ayacucho den Einsatz für die Menschenrechte während der Zeit der Unterdrückung einmal als «Dummheit» abgetan.

Der Bürgermeister von Lima, Luis Castañeda Lossio, hingegen schlug Cipriani als erster offen für das Amt des Kirchenoberhauptes vor. Cipriani habe «so viele Vorzüge, dass ich gar nicht wage, einige aufzuzählen, weil ich fürchte, andere zu vergessen», warb er für den Kardinal. «Und wenn wir dann noch die Ehre haben, dass der Papst Peruaner ist, desto besser», fügte er hinzu.

Ob für oder gegen Cipriani, die Chancen für den früheren Kapitän der Basketball-Nationalmannschaft werden als gering eingestuft. Er ist mit 61 Jahren noch sehr jung und gehört dem Opus Dei (Werk Gottes) an. Die streng konservative Laien- und Priesterorganisation hat im Konklave der 117 wahlberechtigten Kardinäle offiziell nur zwei Vertreter, Cipriani und den Spanier Julián Herranz. Allerdings stehen nach Einschätzung von Kirchenkennern bis zu 50 Kardinäle dem Opus Dei nahe oder zeigen offen Sympathien.

Cipriani wurde am 28. Dezember 1943 in Lima als Kind einer wohlhabenden Familie geboren. Er studierte zunächst Ingenieurwissenschaften und war als Sportler ein nationaler Star, als er 1977 zum Priester geweiht wurde. Bereits 15 Jahre vorher hatte er sich dem Opus Dei angeschlossen und wurde 2001 als erstes Mitglied dieser Organisation vom Papst zum Kardinal ernannt. (tso) (tso)

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