Politik : Porträt: Lothar Bisky

Lothar Bisky gilt als Mann des Ausgleichs und der leisen Töne.

Berlin - Mit Unterbrechungen lenkt der Vorsitzende der Linkspartei inzwischen über zehn Jahre (1993 - 2000, seit 2003) die Geschicke seiner Partei. Ohne seine Integrationskraft hätte sich die umbenannte PDS nach ihrer größten Niederlage bei der Bundestagswahl 2002 in Flügelkämpfen zerrieben und wohl für immer von der bundespolitischen Bühne verabschiedet. Stattdessen führte der 64- Jährige die PDS in einem Wahlbündnis mit der westdeutschen WASG zu ihrem bisher größten Erfolg: Mit 8,7 Prozent zog sie 2005 als Linkspartei und viertgrößte Fraktion in den Bundestag ein.

Der Pragmatiker Bisky steht mit für den radikalen Bruch der PDS mit ihrer stalinistischen Vergangenheit als einstige DDR-Staatspartei SED und die Öffnung nach Westen. Dabei überzeugt Bisky eher in kleinen Zirkeln. Ein großer Redner, der das Parteivolk zu Ovationen hinreißen konnte, war Bisky nie. So blieb er in der Außenwirkung der PDS auch immer im Schatten des brillanten Rhetorikers Gysi. Das Rampenlicht suchte der ehemalige Rektor der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen nie. Bis heute sieht er sich selbst eher als einen «in der Politik vagabundierenden Wissenschaftler».

Den Aufstieg vom Vizepräsidenten des brandenburgischen Landtags (seit 2004) zu einem des Bundestags versagte ihm die Mehrheit der anderen Fraktionen. Bei der Wahl ließen sie Bisky, der als eines der honorigsten Mitglieder seiner Partei gilt, gleich dreimal durchfallen. Dabei holten ihn nach Aussage von CDU- und SPD- Abgeordneten die Schatten seiner DDR-Vergangenheit mit dem Verdacht einer Stasi-Zusammenarbeit ein. Bisky bestritt das wie Gysi stets. Er habe als Rektor Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit gehabt, aber Menschen bespitzelt und verraten habe er nie.

Der gebürtige Hinterpommeraner wuchs als Flüchtlingskind in einem schleswig-holsteinischen Dorf bei Eckernförde auf. Als 18-Jähriger entschied sich Bisky freiwillig für den anderen deutschen Staat, weil er für sich als sozial Unterprivilegierten keine Entwicklungschancen im Westen sah. Mit 22 Jahren trat er in die SED ein. Nach dem Studium der Philosophie und Kulturwissenschaften in Berlin und Leipzig schlug er vor der Partei- eine wissenschaftliche Karriere ein. Bisky ist verheiratet und hat drei Söhne. (tso/dpa)

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