Porträt : Oswald Metzger - das entfant terrible

Tritt Oswald Metzger zurück? Einige seiner grünen Parteikollegen wären froh, schließlich hat er sich schon viele Entgleisungen geleistet.

Oswald Metzger
Oswald Metzger: der ProvokateurFoto: ddp

NürnbergOswald Metzger weiß um seinen schlechten Ruf bei den Grünen, und er kokettiert gerne damit. Nicht allen Parteigängern gefalle, was er sage, verkündet der umstrittene Finanzexperte auf seiner Internet-Seite. Mit abfälligen Äußerungen über Sozialhilfeempfänger hat er die Partei gegen sich aufgebracht - schließlich will die auf dem Nürnberger Parteitag ihr sozialpolitisches Profil schärfen. Jetzt erwägt er den Austritt aus der Partei. Doch dort hofft inzwischen ohnehin schon mancher, dass der 52-jährige Publizist aus Schwaben diesen Schritt vollzieht.

Um eine Provokation ist der Grünen-Haushaltsexperte aus Baden- Württemberg nie verlegen, die Parteiräson schert ihn wenig. Legendär war sein Auftritt beim Parteitag in Kiel Ende 2004, als es um die Gesundheitsreform ging. Damals kämpften SPD und Grüne erbittert gegen die Kopfpauschale der CDU. Metzger, zu der Zeit ohne Amt und Mandat, trat ans Rednerpult und warb für seine Version der Kopfpauschale. Ein mächtiges Pfeifkonzert und Buhrufe waren das Ergebnis.

Dabei war der heute 52-jährige Finanzpolitiker zu Beginn der rot- grünen Bundesregierung (1998-2002) einer der profiliertesten Köpfe seiner Partei. Allerdings schreckte der Bundestagsabgeordnete auch nicht vor harscher Kritik am Koalitionspartner zurück. Im Streit über teure Airbus-Flugzeuge für die Bundeswehr forderte er den damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) zum Rücktritt auf. Das wurde dem Oberschwaben auch in den eigenen Reihen übel genommen. 2002 kam der Absturz.

Metzger sucht das Rampenlicht

Seine Rolle als "enfant terrible" führte dazu, dass er es nicht auf die Landesliste für die Bundestagswahl schaffte. Fortan schrieb er Bücher, arbeitete als Lobbyist und tingelte als wirtschaftsliberaler "Grünen-Querdenker" durch Fernseh-Talkshows. Vor allem sein Engagement für die von den Metall-Arbeitgebern finanzierte "Initiative neue soziale Marktwirtschaft" wurde bei den Grünen mit Kopfschütteln quittiert.

Erst bei der baden-württembergischen Landtagswahl Ende März 2006 gelang dem verheirateten Metzger der Wiedereinstieg in die Politik. "Ich bin zurück auf der parlamentarisch-politischen Bühne und werde hoffentlich wieder stärker wahrgenommen", lautete seine Erwartung. Als nach der Wahl über Schwarz-Grün diskutiert wurde, gehörte er zu den größten Verfechtern eines Bündnisses mit der CDU. Nach dem Einzug in den Stuttgarter Landtag wurde es eher wieder still um Metzger - vermutlich zu still für seinen Geschmack.

Das änderte sich erst kurz vor dem Grünen-Parteitag in Nürnberg: Wegen seiner Äußerung, viele Sozialhilfe-Empfänger sähen "ihren Lebenssinn darin, Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen", steht Metzger intern stark in der Kritik. Ob er die Grünen nach 20 Jahren Mitgliedschaft verlässt, will er in der nächsten Woche verkünden. (mit dpa)

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