Porträt : Rumsfeld zahlt für die Niederlage

Es dürfte der bitterste Tag in der langen Karriere des Donald Rumsfeld gewesen sein. Nach sechs Jahren im Amt muss der US-Verteidigungsminister seinen Hut nehmen, und niemand in Washington scheint dies zu bedauern.

Washington - Das desaströse Abschneiden der Republikanischen Partei bei den Kongresswahlen am Dienstag zwang Präsident George W. Bush zu einem raschen Befreiungsschlag. Rumsfeld muss den Preis zahlen für die Wahlniederlage und den unpopulären Einsatz im Irak. Der Personalwechsel solle zu einer "frischen Perspektive" in der Verteidigungspolitik führen, sagte Bush. Zu einer solchen Perspektive hielt er Rumsfeld wohl nicht mehr für fähig. Der frühere CIA-Direktor Robert Gates soll nun an die Spitze des Pentagons treten.

Für Rumsfeld war es ein Abschied zweiter Klasse. Nicht er selbst gab seinen Abgang bekannt, sondern der Präsident - und dies bereits wenige Stunden nach den Kongresswahlen. Das wirkte so, als werde Rumsfeld gefeuert. Genau dies hatten Oppositionspolitiker, pensionierte Generäle und Militärexperten seit langem von Bush gefordert. Die Kritik an Rumsfeld ließ sich nicht mehr entkräften: Die täglichen Schreckensbilder aus dem Irak nährten den Verdacht, dass der Einsatz schlampig geplant und inkompetent ausgeführt wurde. Skandale wie die Gefangenenmisshandlung im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib beschleunigten Rumsfelds Ansehensverlust. Das Thema Irak brachte ihn zuletzt in ständige Erklärungsnot: Aus dem Minister für Verteidigung wurde ein Minister für Selbstverteidigung.

Auch wenn es so aussieht, als sei Rumsfeld nur ein Sündenbock: Bush hatte kaum Alternativen zu seiner Entscheidung. Im Kongress muss er künftig die Zusammenarbeit mit den erstarkten Demokraten suchen, und der heftig umstrittene Rumsfeld hätte eine solche Kooperation nur blockiert. Der Coup zu seinem Abgang wurde bereits vor der Wahl eingefädelt, gab Bush vor Journalisten zu. Am Sonntag empfing er Rumsfelds designierten Nachfolger Robert Gates zu einem Gespräch auf seiner Farm in Texas. Am Dienstag habe er dann das entscheidende Gespräch mit Rumsfeld geführt.

Der scheidende Fraktionschef der Republikaner im Senat, Bill Frist, zeigte sich erleichtert. Die Personalentscheidung erlaube "einen frischen Blick auf unseren Krieg gegen den weltweiten Terror", sagte der Senator. "Sie wird helfen, in den kommenden Monaten eine Verteidigungspolitik zu entwerfen, die Republikaner und Demokraten verbindet." Auch Rumsfelds republikanische Parteifreunde hatten den Minister zuletzt nur noch als Bürde empfunden, als Last im Wahlkampf. Rumsfelds offensive Art, zu Anfang von vielen bewundert, erschien zuletzt eher nervtötend.

Unumstößliches Selbstbewusstsein

Sein Selbstbewusstsein schöpfte der Verteidigungsminister aus seiner langen Erfahrung als Macher und Manager in Politik und Privatwirtschaft. George W. Bush ist bereits der dritte US-Präsident, dem er auf hohem Posten dient. Im Krieg war Rumsfeld dagegen nie, obwohl er drei Jahre als Pilot bei der Marine diente. Unter Präsident Richard Nixon war er unter anderem Wirtschaftsberater sowie Botschafter in Brüssel, unter Gerald Ford wurde er der jüngste Verteidigungsminister der US-Geschichte.

Später wechselte Rumsfeld in die Privatwirtschaft, wo er sich bei den Pharmaunternehmen G.D. Searle und Gilead Sciences sowie dem Breitband-Anbieter General Instrument den Ruf eines erfolgreichen Sanierers erwarb. Dass ihn Bush Junior ein Vierteljahrhundert nach seiner ersten Amtszeit im Pentagon erneut an die Spitze des Ressorts berief, war für viele eine große Überraschung. (tso/AFP)

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