Porträt : Sonderermittler Marty ist CIA auf der Spur

Dick Marty gilt als hartnäckiger Einzelgänger, der vor großen Namen nicht zurückschreckt.

Straßburg - Als Staatsanwalt im Tessin machte er sich in den 70er Jahren einen Namen als unerschrockener Ermittler. Für sein Engagement gegen die Drogenkriminalität erhielt er in den USA einen Ehrenpreis. Sein Einsatz für die Legalisierung der Sterbehilfe in Europa stieß jedoch auf heftige Kritik. Sein Vorstoß wurde im Europarat abgelehnt. Seiner Überzeugung blieb der Liberale trotzdem treu.

Nun hat der Ermittler, der seit 1995 im Schweizer Ständerat und seit 1998 im Parlament des Europarats sitzt, die vielleicht schwerste Aufgabe seiner Karriere angenommen: Er ermittelt im Auftrag des Europarates gegen angebliche Geheimtransporte und -gefängnisse des US-Geheimdienstes CIA in Europa. Voller Ehrgeiz und Enthusiasmus hatte der 61-Jährige im November 2005 seine Aufgabe übernommen. Seither ist er auch außerhalb der Schweiz bekannt wie ein bunter Hund. Journalisten aus aller Welt wollten ihn sprechen. Doch Marty igelte sich ein. «Ich mag es nicht, so im Schaufenster zu stehen», sagte der als eigensinnig geltende Marty der «Basler Zeitung».

Doch der überzeugte Kämpfer für die Menschenrechte sagte auch: «Wenn Leute ohne rechtliche Grundlagen verschleppt und gefoltert werden, steht die Würde unseres Kontinents auf dem Spiel.» Dafür wolle er weiter kämpfen, auch wenn seine Instrumente als politischer Ermittler im Auftrag des Europarates begrenzt sind, wie er selbst zugab.

Marty, der am 7. Januar 1945 im italienisch-sprachigen Tessin geboren wurde, blieb immer ein wenig ein Außenseiter. Auch jetzt bei der Suche nach Beweisen für Menschenrechtsverletzungen durch die CIA in Europa hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Denn sein undankbarer Auftrag ist es, die Regierungen Europas und der USA zu belasten. Dem Schweizer «Sonntagsblick» sagte er kürzlich, es würde ihn nicht erstaunen, wenn er abgehört werde. Die CIA wolle sicherlich wissen, welche Informationen er aus welchen Quellen besitze. (tso/dpa)

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