Porträt : Steinmeier tritt aus Schröders Schatten

Frank-Walter Steinmeier ist ein Multifunktionsträger: Außenminister, Vizekanzler, und bald auch Partei-Vize. In den kommenden Monaten wird er vor allem eines sein: SPD-Kanzlerkandidat.

Joachim Schucht[dpa]
Steinmeier
Frank-Walter Steinmeier führt die SPD in den Bundestagswahlkampf. -Foto: dpa

Berlin Ein Amt ist der vielbeschäftigte Frank-Walter Steinmeier bald wieder los: den kommissarischen SPD-Vorsitz, den er sich nach dem turbulenten Tag am Schwielowsee sechs Wochen lang nebenbei auch noch zumutete. Ab Samstag ist der 52-Jährige dann nur noch SPD-Vize, Vizekanzler, Außenminister, vor allem aber offiziell gekürter SPD-Kanzlerkandidat, dem in den kommenden Monaten auf jeden Fall ein schwerer Gang bevorsteht.

Die Bestätigung auf dem Berliner Sonderparteitag ist eher Formsache. Doch Steinmeier muss vor seiner Wahl schon einen formidablen Auftritt hinlegen, um die Genossen von den Stühlen zu reißen. Auch viele der über 500 Delegierten kennen ihren neuen Hoffnungsträger bislang eher aus dem Fernsehen als von Marktplätzen oder aus Bierzelten. Doch dass der Tischlersohn aus dem Ostwestfälischen auch "Partei kann", hat er in den letzten Monaten wiederholt bewiesen. Wo er auftrat oder Tuchfühlung mit der Basis aufnahm, waren die Anhänger hinterher begeistert.

Auf Tuchfühlung mit der Basis

Vom Image des Ministerialdirektors hat sich der Jurist inzwischen gelöst. Dass "Frank", wie ihn enge Parteifreunde ohne den zweiten Zusatz im Vornamen ansprechen, auch am Rednerpult ordentlich zulangen kann, hat sich herumgesprochen. Dort macht Steinmeier mitunter bis in die Gestik und in die zum lauten Poltern neigende Sprachtönung hinein einem alten Förderer Konkurrenz. "Er hat das Zeug zum Kanzler", war Gerhard Schröder schon lange überzeugt. Als "Besten, den sich Deutschland wünschen kann" pries der Ex-Kanzler nach der Nominierung die Qualitäten seines ehemaligen Zöglings.

Um tatsächlich Erfolg zu haben, müsse er sich möglichst rasch aus Schröders Schatten lösen, lauteten dringende Ratschläge an Steinmeier. Davon scheint er inzwischen einiges zu beherzigen. Ohnehin neigt er nicht zur "Basta"-Haltung seines ehemaligen Vorgesetzten, sondern pflegt eher die Kunst des Zuhörens und der persönlichen Überzeugungskraft. Vom Typ sei Steinmeier eher Helmut Schmidt ähnlich, ist von manchen zu hören. Dass er in entscheidenden Phasen auch die in der Politik unverzichtbare Härte besitzt, hat Steinmeier in den Stunden am Schwielowsee gezeigt. Franz Müntefering als neuen SPD-Chef setzte er gegen den erklärten Willen von Kurt Beck durch.

Mit Angela Merkel, die er 2009 beerben will, hat der Jurist bei den regelmäßigen Absprachen ein eher emotionsloses Arbeitsverhältnis. Zunehmende Nickeligkeiten aus dem Kanzleramt, die ihm aus seiner Sicht die Arbeit als Außenminister erschweren, führt er vor allem auf wachsende Nervosität im Unionslager zurück. Mit der Kanzlerin verbindet den SPD-Spitzenmann vor allem eine Gemeinsamkeit. Beide, die sich gegenseitig belauern, achten weiter streng darauf, vor allem keinen Fehler zu machen.

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