Politik : Porträt: Tarcisio Bertone

Kardinal Tarcisio Bertone (70) ist der Erzbischof von Genua und gilt im Vatikan als Mann für heikle Aufgaben. Aus mehreren Gründen wird er als Geheimtipp für die Papst-Nachfolge gehandelt.

Rom (15.04.2005, 12:31 Uhr) - Zum einen war Bertone seit 1995 sieben Jahre lang Sekretär in der Glaubenskongregation und arbeitete in diesem Amt eng mit dem Leiter der Behörde, dem mächtigen Kardinal Joseph Ratzinger, zusammen. Zum anderen gilt er als volksnah und aufgeschlossen: So besuchte er etwa vor einigen Jahren eine Diskothek in Genua, wo er spontan zum Mikrofon griff und vor katholischen Jugendlichen einen italienischen Gassenhauer zum Besten gab.

Auch ist Bertone bekanntermaßen ein eingefleischter Fußballfan - was ihn bei den Fußball-verrückten Italienern sehr beliebt macht. In der Vergangenheit fungierte er sogar als Kommentator bei den Spielen seines Lieblingsteams Juventus Turin.

Gleichzeitig scheute er sich aber auch nie, im Auftrag Ratzingers schwierige Missionen zu übernehmen. So war er etwa an der Enthüllung des «Dritten Geheimnisses von Fatima» im Jahr 2000 maßgebend beteiligt. Eine wichtige Rolle spielte er auch 2001 bei der Wiedereingliederung des umstrittenen afrikanischen Erzbischofs Emanuel Milingo in die katholische Kirche.

Zuletzt hat der als konservativ geltende Bertone für Schlagzeilen gesorgt, als er Dan Browns Bestseller «Sakrileg» im Alleingang öffentlich anprangerte und die Gläubigen aufforderte, das Buch nicht zu lesen. Der Vatikan hatte sich hingegen nie zu dem umstrittenen Werk geäußert.

Bertone wurde 1934 in Romano Canavese bei Turin geboren. In Rom und Turin studierte er zunächst Philosophie und Katholische Theologie und lehrte später Kirchenrecht an der Universität Rom. 1960 wurde er zum Priester geweiht. Im Jahr 1995 wechselte er an die römische Kurie, wo er am 21. Oktober 2003 zum Kardinal ernannt wurde. (tso) (tso)

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