Politik : Porträt: UN-Chefermittler Mehlis

Der Name des Berliner Oberstaatsanwalts Detlev Mehlis ist in Libanon sogar Schulkindern ein Begriff.

Hamburg - In den "deutschen Wolf" - wie ihn Libanesen nennen - setzen viele Bewohner des arabischen Landes große Hoffnungen: Er soll herausfinden, wer den ehemaligen Regierungschef Rafik Hariri getötet hat, und damit den Reigen der unaufgeklärten politischen Morde in Libanon durchbrechen. Seinen ersten Bericht hat der UN-Ermittler am Donnerstag vorgelegt. Er und sein Team sollen nach libanesischen Angaben die Untersuchungen bis zum 15. Dezember fortsetzen.

Der Jurist hat bereits mehr als 25 Jahre in der Berliner Staatsanwaltschaft gearbeitet, erst am Landgericht, dann am Kammergericht. Als Mehlis Ende Mai dieses Jahres von UN- Generalsekretär Kofi Annan mit den Ermittlungen zum Tod Hariris und mindestens 20 weiterer Menschen beauftragt wurde, galt diese Aufgabe als praktisch unlösbar. Doch den Mann mit dem Bürstenhaarschnitt bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

Der 56-Jährige gilt als Muster an Ausdauer und Hartnäckigkeit. «Mehlis ist das Beharrlichste, was ich kenne», sagt sein Chef Dieter Neumann, Generalstaatsanwalt am Berliner Kammergericht. Seinen langen Atem bewies Mehlis bei der Untersuchung des Anschlags auf die West- Berliner Discothek «La Belle» im Jahr 1986 mit drei Toten und mehr als 200 Verletzten. Die langwierigen Ermittlungen hätten den Ankläger nicht entmutigt, sagt Neumann. «Ohne seine Beharrlichkeit wäre der Fall "La Belle" nicht aufgeklärt worden.»

Erst mehr als 15 Jahre nach dem Attentat wurden vier Angeklagte wegen Mordes und Beihilfe zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Für Aufsehen sorgte auch, dass das Berliner Landgericht eine Mitschuld Libyens an dem Attentat feststellte. (tso/dpa)

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