Porträt Victoria Nuland : Offensive Kommunikatorin

Victoria Nuland ist eine erfahrene Diplomatin - und steckt jetzt trotzdem mitten im Kommunikations-Desaster.

Christoph von Marschall
Victoria Nuland
Victoria NulandFoto: afp

Sie hat eine lange Karriere als Diplomatin hinter sich. Sie ist geschult in interkulturellen Befindlichkeiten, spricht Französisch, Russisch und etwas Chinesisch. Aus ihrer Zeit als Botschafterin bei der Nato kennt sie die Sichtweisen der Europäer. Von Sommer 2011 bis Februar 2013 war sie Sprecherin der Außenministerin Hillary Clinton. Insofern könnte man eine geschliffene und überlegte Wortwahl der US-Diplomatin erwarten, die seit September 2013 die Rolle des „Assistant Secretary“ – was in etwa einem deutschen Staatssekretär entspricht – für Europa ausübt. Doch in dem abgehörten Telefongespräch, durch dessen Veröffentlichung Victoria Nuland nun in die Schlagzeilen geriet, wähnte sie sich, erstens, in einem geschützten Meinungsaustausch. Zweitens ist die 52-Jährige bekannt für eine bisweilen offensive Kommunikation. Sie gehört zu den Schlüsselfiguren der sogenannten „Bengasi-Affäre“: dem innenpolitischen Streit, ob der Sturm auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September 2012, bei dem US-Botschafter Christopher Stevens ums Leben kam, ein gezielter Terroranschlag war oder die unvorhersehbare Eskalation eines Massenprotests vor dem Gebäude. Nuland hatte der Führung des State Departments in den ersten Stunden, als die Abläufe noch unklar waren, geraten, den Angriff nicht als Terroranschlag darzustellen. Denn damit würde sie den Republikanern im Kongress Munition für die Behauptung liefern, die Regierung habe trotz vorhersehbarer Gefahr keine Vorsorge getroffen. Das kam heraus, in der Folge warfen die Republikaner Hillary Clinton vor, sie habe versucht, die wahren Ursachen zu vertuschen. Nuland stammt aus einer jüdischen Einwandererfamilie und wuchs in New York auf; ursprünglich lautete der Familienname Nudelman. Ihr Vater Sherwin lehrte Bioethik an der Universität Yale und schrieb einen New York Times Bestseller über den Tod als letztes Kapitel des Lebens. Nuland ist mit dem Historiker Robert Kagan verheiratet, dessen Bestseller über amerikanische Macht und europäische Ohnmacht Kontroversen auf beiden Kontinenten ausgelöst hatten.

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