Politik : Porträt: Walter Kasper

Mit einem Vorstoß für mehr Freiheiten in der Kirche ist Walter Kasper in Rom einmal unangenehm aufgefallen. 1993 wollte er zusammen mit den Bischöfen Karl Lehmann und Oskar Saier wiederverheiratete Geschiedene nicht mehr grundsätzlich von der Kommunion ausschließen.

Stuttgart (15.04.2005, 12:38 Uhr) - Der Vatikan schmetterte das Reformanliegen ab. Kaspers Karriere hat dies aber nicht geschadet. Heute gehört der weltweit anerkannte Theologe zu den wichtigsten Kurienkardinälen im Machtzentrum der katholischen Kirche.

Kasper will die Macht teilen und unterscheidet sich damit von dem anderen deutschen Kardinal im Vatikan, Joseph Ratzinger. Dieser steht mehr für einen römisch-zentralistischen Kurs. Kasper dagegen ist auf einen kollegialen, partnerschaftlichen Ausgleich mit den Ortskirchen, also den Bistümern, bedacht: Rom soll nicht in alles hineinregieren.

Auch bei seiner Hauptaufgabe setzt der katholische Chef-Ökumeniker eher liberale als konservative Akzente. Papst Johannes Paul II. machte ihn 1999 zum Sekretär, 2001 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Das Bemühen um eine Überwindung der konfessionellen Grenzen sei für die Kirche keine Nebensache, sondern gehöre zum Kern des Glaubens, predigt Kasper immer wieder. Am Reformationstag 1999 unterzeichnete er in Augsburg die von ihm mit erarbeitete «Erklärung zur Rechtfertigungslehre». Katholiken und Protestanten legten damit alte Lehrstreitigkeiten bei.

Geboren wurde Kasper am 5. März 1933 im schwäbischen Heidenheim. Er studierte Theologie und Philosophie in Tübingen und München. 1957 empfing er die Priesterweihe. Als 31-Jähriger wurde er Professor für Dogmatik in Münster. 1989 wurde er zum Bischof von Rottenburg- Stuttgart ernannt. Richtig warm wurde er mit den einfachen Gläubigen des Schwabenbistums nie. Dafür war er zu sehr Theologe und zu wenig volksnah. Reformkatholiken nahmen ihm übel, dass er ökumenische Initiativen stoppte.

Auch der Fall Hans Küng zeigte, dass Kasper zwar eher liberal, aber auch «linientreu» ist. Der Vatikan hatte dem Kritiker der päpstlichen Unfehlbarkeit 1979 die Lehrerlaubnis entzogen. 1996 forderte die Katholisch-Theologische Fakultät der Uni Tübingen eine Rehabilitierung Küngs. Kasper lehnte dies als Bischof ab. Dabei war Küng ein alter Bekannter für ihn: Von 1961 bis 1964 war Kasper an der Uni als wissenschaftlicher Assistent sein Schüler gewesen. (tso) (tso)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben