Porträt : Wer ist Gabriele Pauli?

Mit ihrer roten Duccati braust sie in Lederkluft zu Motorradtouren durch ihren Wahlkreis, bei öffentlichen Terminen zeigt sie im kurzen Rock auch gerne mal Bein: Gabriele Pauli entspricht nicht im Geringsten den gängigen Vorstellungen von einer CSU-Politikerin.

So frisch und jung, wie die 49-jährige Fürther Landrätin wirkt, so frech ist sie im Umgang mit der CSU-Führung: Pauli hat sich als schärfste Kritikerin von Parteichef Edmund Stoiber profiliert, ihre Forderung nach dessen Ablösung brachte ihr bundesweite Schlagzeilen. Womöglich deshalb steht Pauli im Mittelpunkt einer delikaten Affäre: Angeblich spitzelte Stoibers Staatskanzlei ihr Privatleben aus.

"So wichtig sind Sie nicht", soll Stoiber zu dem von Pauli im CSU-Vorstand erhobenen Bespitzelungsvorwurf nur knapp gesagt haben. Von ihren Vorstandskollegen sprang ebenfalls keiner der Fränkin bei.

Seit Monaten ein Dorn im Auge

Unabhängig von der Frage, ob die Staatskanzlei nach privaten Details über Pauli schnüffelt, ist die forsche Politikerin den Stoiber-Leuten seit Monaten ein Dorn im Auge. Unmittelbar nach dem wie eine Flucht wirkenden Verzicht des Parteichefs auf ein Ministeramt in Berlin schwang sie sich zur Wortführerin seiner Kritiker auf. Pauli forderte wiederholt Stoibers Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Ministerpräsident bei den Wahlen 2008, unter anderem auch auf dem jüngsten CSU-Parteitag.

Höhepunkt der öffentlichkeitswirksamen Schritte war ein von der 49-Jährigen eingerichtetes Internetforum, in dem sie die Parteibasis über die Ablösung Stoibers diskutieren ließ. Erst nach einiger Kritik unter anderem von ihrem fränkischen CSU-Bezirkschef Günther Beckstein ließ Pauli das Forum schließen; die zum großen Teil Stoiber-kritischen Beiträge stehen aber weiter auf ihrer Seite http://gpauli.blogya.de

Auch Freunde sind konsterniert

Mit ihrem forschen Auftritt gegen Stoiber hat sich Pauli allerdings in der CSU weitgehend isoliert. Nicht nur die Parteiführung kehrt ihr den Rücken, auch von den wenigen anderen Stoiber-Kritikern in der Partei bekam sie bislang nur geringe Rückendeckung. Und ihre Spitzelvorwürfe stoßen mittlerweile auch engen Wegbegleitern auf. So zeigte sich Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt, der auch Vorsitzender der CSU in Fürth ist, gegenüber den "Fürther Nachrichten" irritiert. "Wenn man Aufklärungsbedarf hat, muss man Namen nennen und nicht Medienoffensiven starten", sagte Schmidt, der nach eigenen Worten seit Schülerzeiten mit Pauli befreundet ist.

Dass sie mit ihrem offensiven Verhalten selbst bei Freunden aneckt, dürfte wohl auch einer der Gründe sein, warum die Landrätin es trotz des Mangels an Frauen in der Landesregierung bislang noch nicht ins Kabinett geschafft hat. Denn an sich hat Pauli eine blitzsaubere Karriere hingelegt: Kurz nach ihrer Promotion in Politikwissenschaften zum Thema "Polit-PR: Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU" forderte sie 1990 im SPD-Stammland Fürth den sozialdemokratischen Landrat heraus - und gewann. Mit 33 Jahren wurde Pauli Landrätin. Diesen Posten behauptet sie nun schon seit 16 Jahren, womit sie länger amtiert als Stoiber als Ministerpräsident. Und: Pauli konnte ihre Ergebnisse von Wahl zu Wahl verbessern, zuletzt gewann sie 2002 mit einem Traumergebnis von 65,4 Prozent der Stimmen.

Mittlerweile ist Pauli allerdings in erster Linie die Lokomotive der Opposition in Bayern. "Stasi-Methoden" warfen etwa SPD und FDP Stoiber und seinen Leuten vor. Ob die Affäre aber mehr dem Ministerpräsidenten oder seiner Kritikerin schadet, muss sich noch zeigen. (Von Ralf Isermann, AFP)

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