Porträts : Doppelspitze Künast und Kuhn

Renate Künast und Fritz Kuhn führen die Grünen-Fraktion in ihre sich abzeichnenden Oppositionsrolle.

Berlin (27.09.2005, 17:10 Uhr) - «K und K» standen bereits von Juni 2000 an als harmonisches und erfolgreiches Duo gemeinsam an der Spitze der Partei, bis Künast nach einem halben Jahr das Verbraucherschutzministerium übernahm und Claudia Roth für sie nachrückte. Im Dezember 2002 stolperte Kuhn als Parteichef über die damals bei den Grünen noch geltende Trennung von Parteiamt und Abgeordnetenmandat.

Ihre politische Karriere begann die in Recklinghausen geborene Künast 1979 mit dem Eintritt in die Berliner Alternative Liste. Die passonierte Inline-Skaterin bewies in der Folgezeit immer wieder Geschick auch auf schwierigem politischen Parcours, so bei der Bildung des ersten rot-grünen Senats in Berlin 1989. Nachdem die Anwältin 2001 Verbraucher- und Agrarministerin wurde, stärkte Künast das Grünen-Profil durch ihr Eintreten für eine Agrarwende und den Vorrang von Verbraucherrechten. Mit Energie, Selbstbewusstsein und ihrer burschikosen Art erwarb sich die Frau mit dem frechen Kurzhaarschnitt dabei auch Ansehen im für Grüne als schwierig geltenden Bauern-Milieu.

Die 49 Jahre alte Juristin wird der linken Parteiströmung zugerechnet, betonte in den vergangenen Tagen aber immer wieder, die Grünen müssten künftig für alle möglichen Koalitionen offen sein.

Fritz Kuhn, früherer Jungsozialist, gehört zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg und zum Vordenker des südwestdeutschen Realo-Flügels der Partei, der bereits früh in Grundsatzpapieren immer wieder für eine Integration der verschiedenen Strömungen eintrat. Erfahrungen als Landtagsfraktionschef machte der in Bad Mergentheim geborene Kuhn im Südwesten von 1984 bis 1988 und 1992 bis 2000. Als die CDU 1992 ihre absolute Mehrheit im Land verlor, führte Kuhn mit Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) Vorgespräche über eine mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen. Dazu kam es nicht, aber einen gemeinsamen Grundansatz, gesellschaftliche Kräfte nicht hinter staatlichen zurückzustellen, sieht Kuhn bis heute.

In seiner Zeit als Parteichef - wegen seiner Nähe zu Joschka Fischer «Fischers Fritze» genannt - führte die von Kuhn mit vertretene Strategie der Konzentration auf wenige Themen, der klaren Botschaften und des Werbens um Wechselwähler bei der Wahl 2002 zum Erfolg.

Nach seinem Rücktritt von der Parteispitze arbeitete der Germanist weiter als Wirtschaftsfachmann und ab Februar 2005 als außenpolitischer Fraktionssprecher. Als Wahlkampfmanager feierte der 50-Jährige sein Comeback in der ersten Reihe der Grünen - mit sichtlicher Freude an der Planung und an Auftritten. Das respektable Wahlergebnis von 8,1 Prozent stärkte das Gewicht Kuhns. (tso/dpa)

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