Politik : Portugals Jugend demonstriert Wie in Nordafrika gibt es Armut und kaum Arbeit

Lissabon/Madrid - Am Anfang stand eine Initiative von vier arbeitslosen Portugiesen: Die jungen Leute hatten über Facebook zu Protestkundgebungen in elf Städten ihres Landes aufgerufen. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Zehntausende, wahrscheinlich sogar hunderttausende Portugiesen zogen am Samstag in Lissabon, Porto und anderen Städten durch die Straßen und demonstrierten gegen Arbeitslosigkeit und mangelnde Zukunftsperspektiven. Lissabon erlebte eine der größten Kundgebungen seit Jahren. Die Veranstalter bezifferten die Zahl der Teilnehmer auf 200 000 bis 300 000. Das Besondere daran: Hinter den Demonstrationen standen keine Parteien und keine Gewerkschaften. In dieser Hinsicht war der Protest einzigartig in der jüngeren Geschichte des Landes. Die Spontanität erinnerte an die Anfänge der Unruhen in Tunesien oder Ägypten – mit dem Unterschied allerdings, dass in Portugal keine Diktatur herrscht, sondern eine Demokratie.

Die Initiatoren des Protests nennen sich die „Geração à Rasca“ (verlorene Generation). „Wir demonstrieren hier, weil wir einen Wandel zum Besseren auslösen wollen“, betonten sie in ihrem Manifest. Mit den jungen Leuten in den arabischen Ländern haben die Portugiesen gemeinsam, dass ihre Aussichten auf einen Job schlecht stehen. Portugal ist das ärmste Land Westeuropas, die Wirtschaft stagniert, die Regierung muss immer neue Sparmaßnahmen ergreifen, um einen Staatsbankrott des hoch verschuldeten Landes zu verhindern.

In Lissabon schätzten Polizeikreise die Zahl der Demonstranten auf bis zu 150 000. Auch die Generationen der Eltern und Großeltern waren vertreten. „Wir protestieren, damit die Verantwortlichen für unsere unsichere Lage – Politiker, Unternehmer und wir selbst – gemeinsam dafür sorgen, dass die unerträglich gewordenen Verhältnisse sich rasch ändern“, betonten die Veranstalter der Proteste. dpa

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