Politik : „Positionen verändern sich“

Der künftige Unep-Chef Achim Steiner über Klima, die USA und den wirtschaftlichen Wert der Natur

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Wird Ihre erste Reise als Chef des UN-Umweltprogramms in die USA führen?

Nein, nach Nairobi. Weil ich mir zum Ziel gesetzt habe, erst einmal Zeit mit der Institution zu verbringen. Ich möchte zunächst besser verstehen, was sich ändern und was bewahrt werden soll.

Ich frage nur, weil der UN-Botschafter der USA, John Bolton, denkt, Sie verdankten Ihren Job einem korrupten Kofi Annan, dem Sie vor kurzem einen Umweltpreis verliehen haben. Was sagen Sie dazu?

Es ist ja nicht mal ein Vorwurf an mich, sondern eine Spekulation, die zu einer Zeit kommt, die für die Vereinten Nationen sehr schwierig ist. Manche, vor allem konservative Kreise in den USA, versuchen dem Ruf von Kofi Annan zu schaden und die UN zu schwächen. Ich persönlich betrachte das als absurde Geschichte. Ich war Teil einer neunköpfigen internationalen Jury, war zu diesem Zeitpunkt aber noch gar kein Kandidat für die Nachfolge von Klaus Töpfer. Was mich daran bedrückt, ist, dass dabei untergeht, dass bei der Benennung der Chefs des Weltentwicklungsprogramms und bei Unep ein neues Verfahren gewählt worden ist. Zum ersten Mal sind Kandidatenlisten veröffentlicht worden, die eine fachliche Nominierung ermöglicht haben.

Die USA werden aber für ihre künftige Aufgabe ein wichtiger Partner sein. Das ist vor allem beim Klimaschutz schwierig. Sie haben gesagt, man müsse die USA besser in die Verhandlungen einbeziehen. Wie?

Nein, eine Lösung habe ich dafür noch nicht. Es geht mir darum, wie man mit einer komplexen politischen Situation umgeht. Positionen verändern sich. Wer hätte gedacht, dass George W. Bush in einer Rede an die Nation die Abhängigkeit vom Öl als das größte Problem benennen würde. Einige US-Staaten und Städte haben sich freiwillig Kyoto-Ziele verordnet. Lösungen gegen Amerika, so sehr sie sich mancher wünschen mag, sind nicht möglich. Deshalb wird es meine künftige Rolle sein, nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Ich bin überzeugt, dass wir nicht langfristig in einer Sackgasse stecken.

Das UN-Klimasekretariat hat gerade Zahlen veröffentlicht, dass bis 2012 rund eine Billion Tonnen Kohlendioxid durch Projekte des so genannten Sauberen Mechanismus (CDM) vermieden werden. Werden so Umweltschutz und Entwicklung erfolgreich zusammengebracht?

Ich bin der vollen Überzeugung, dass das funktionieren wird. Wir brauchen wirtschaftliche Anreize, um die Umwelt zu schützen. Costa Rica zum Beispiel hat es geschafft, Märkte zu schaffen für Dienstleistungen der Natur und entsprechende Transferzahlungen.

Wie das?

Etwa dadurch, dass ein Energieunternehmen, das ein Wasserkraftwerk nutzt, den Anrainern am Oberlauf des Flusses Geld dafür bezahlt, dass sie das Wassereinzugsgebiet erhalten. Ich bin der vollen Überzeugung, dass langfristig der wirtschaftliche Wohlstand nur über die Einbeziehung der wahren Kosten der Ressourcennutzung zu erhalten ist.

Die Vollversammlung der UN wünscht sich eine Bündelung der Umweltpolitik. Es gibt eine Vielzahl von Umweltkonventionen. Wie wollen Sie diese an Unep binden?

In den vergangenen 20 Jahren haben Politiker eine Institutionenlandschaft geschaffen, die sich schwer zurückbauen lässt. Aber was wichtig ist, ist ein Signal der Mitgliedstaaten, dass sie eine bessere Zusammenarbeit wollen. Ich erhoffe mir ein Mandat für Unep, um diesen Dialog zu führen. Da kann man viele Parallelitäten aufbrechen. Jede Konvention behandelt zwar ein eigenes Problem. Aber sie haben auch viel miteinander zu tun. Und man könnte sich zum Beispiel ersparen, für jede Konvention regelmäßig Weltkonferenzen zu veranstalten, deren Zahl es vielen Entwicklungsländern unmöglich macht, sich da noch aktiv einzubringen.

Sie sind ja viel in der Welt herumgekommen. Ist Nairobi eine neue Stadt für Sie?

Ich bin dort gewesen, kenne die Stadt aber nicht gut. Ich freue mich auf Kenia, denn ich liebe Afrika. Ich bin wie Klaus Töpfer der Überzeugung, dass die Welt Nairobi nicht nur als einen Ort sehen sollte, der weit weg von New York ist, sondern als einen, der eine andere Realität zeigt. Diese Realität möchte ich in die Institutionen hineintragen. Es ist wichtig, dass die UN einen Standort in Afrika haben.

Das Interview führte Dagmar Dehmer.

Achim Steiner (44) ist Generaldirektor der Weltnaturschutzunion (IUCN) und wird im Sommer die Leitung des UN-Umweltprogramms übernehmen. Er ist der zweite deutsche Unep-Chef.

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