Politik : Post aus England

Der „Economist“ schreibt über Berlusconi – seine Anwälte lesen

Thomas Migge[Rom]

Noch am Donnerstagmorgen, vor der letzten Ministerratssitzung, hatte Italiens Ministerpräsident Berlusconi die Hoffnung geäußert, einen ruhigen August zu haben. Einige Stunden später aber erhielt er die Nachricht, dass eine neue Attacke gegen ihn bevorsteht. Eine Attacke, die international Aufsehen erregt. Das britische Wochenmagazin „Economist“ – alles andere als ein linkes Blatt –veröffentlichte in seiner am Freitag erschienenen neuen Nummer ein seitenlanges Dossier zum Fall Berlusconi.

Der Text behandelt in sechs Punkten Fragen, „auf die die internationale Öffentlichkeit Antworten erwartet“, schreibt die Zeitschrift. So fragt sie etwa, warum er bezüglich des Datums seines Beitritts zur rechten Geheimloge Propaganda Due gelogen, ob er von den Off-shore-Gesellschaften seines Medienunternehmens gewusst und warum er das Bilanzfälschungsgesetz neu geschrieben habe, wodurch der Eindruck entstand, dass er sich damit aus der Justizschlinge ziehen wollte.

Besonders heikel für den Regierungschef ist, dass die Zeitschrift über sämtliche neun Prozesse berichtet, in die Berlusconi verwickelt war oder noch immer ist. Der „Economist“ erinnert seine Leser daran, dass Berlusconi teilweise nicht freigesprochen wurde, sondern die Vorwürfe gegen ihn bloß verjährt waren. „Der Ministerpräsident hat anderes zu tun, als diese Zeitschrift zu lesen, aber seine Anwälte werden sich damit beschäftigten.” So kommentierte ein italienischer Regierungssprecher das Dossier des „Economist“. Nicht ausgeschlossen wird, dass die Anwälte Berlusconis rechtliche Schritte gegen die Zeitschrift unternehmen. Berlusconi sieht sich offenbar über den Dingen.

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