Politik : Potsdam wirft BonnVerzögerung bei Hilfenfür Flut-Opfer vor

Ziel fordert Korrekturen / Finanzministerium: Kritik unverständlich / Lage an der Oder entspannt sich weiter POTSDAM/BONN/PRAG (thm/dpa/rak).Brandenburg hat der Bundesregierung vorgeworfen, die Auszahlung der Hochwasser-Nothilfen durch bürokratische Hürden unnötig zu erschweren.Wenn es bei den bisherigen Bedingungen bleibe, könnten aus dem 40-Millionen-Topf von Bund und Land nur acht Millionen DM abfließen, sagte Innenminister Ziel am Freitag."Außerdem würden die Betroffenen die Gelder erst Weihnachten oder Ostern bekommen".Die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Land müsse korrigiert werden.Unterdessen entspannte sich die Lage in den vom Hochwasser bedrohten Gebieten an der Oder weiter.­Das Bundesfinanzministerium zeigte sich von den Vorwürfen überrascht.Die Kritik könne nicht nachvollzogen werden, sagte eine Sprecherin.Das von Bund und Land eingerichtete Informationszentrum in Frankfurt (Oder) sei ein unbürokratisches Mittel, um die Hilfen zügig auszuzahlen.

Am Freitag, 23 Tage nach Beginn der Jahrhundertflut, fielen die Pegelstände überall entlang des weit über die Ufer getretenen Grenzflusses.Kritisch blieb es noch im Oderbruch nördlich von Frankfurt (Oder).Die Evakuierungsverfügungen seien noch nicht aufgehoben, weil dort die Pegelstände noch weit von der Entwarnungslinie entfernt seien, sagte Ziel in Potsdam.Experten des Umweltamtes prüften pausenlos den Zustand der Deiche.Bis Sonnabend früh soll eine Entscheidung fallen, ob die 5200 Menschen aus dem nördlichen Oderbruch, die ihre Häuser verlassen mußten, wieder zurückkehren können."Wir wissen, daß sehr viele Menschen händeringend darauf warten", sagte Umweltminister Platzeck.Die Verteilung der in zweistelliger Millionenhöhe eingegangenen Spenden soll eine "Ehrenkommission" koordinieren.

Unterdessen erhöhte sich Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe in der Tschechischen Republik auf 52.Den Körper eines weiteren Opfers fand man am Donnerstag im Treibholz unweit der mährischen Stadt Prerau.Der 41jährige Mann galt seit einem Monat als vermißt.Zwei Männer starben in dieser Woche außerdem an Leptospirose, einer gefährlichen Infektionskrankheit, die von Ratten übertragen wird und Leber und Nieren angreift.Inzwischen wurde diese Erkrankung noch in fünf weiteren Fällen festgestellt.Von einer Epidemie wollen die Ärzte dennoch nicht sprechen.Gegen Gelbsucht wollen die tschechischen Gesundheitsbehörden demnächst etwa 80 000 Kinder bis 15 Jahre impfen lassen.

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