Politik : Powell stellt sich hinter Coats

US-Außenministerium sieht keine Einwände gegen Aussagen

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Washington/Berlin (dpa). In den USA ist die massive Kritik von Bundeskanzler Gerhard Schröder an der Irak-Politik der USA zunächst zurückhaltend bewertet worden. Die Vorwürfe an die Adresse Washingtons in seinem Interview mit der „New York Times“ seien „nicht hilfreich“, hieß es im US-Außenministerium. Zugleich stellte sich das Ministerium aber demonstrativ hinter die Aussagen des US-Botschafters in Berlin, Daniel Coats, der zuvor die Haltung der Bundesregierung scharf kritisiert hatte. Coats sei zwar nicht von Außenminister Colin Powell zu seiner für einen Diplomaten ungewöhnlichen Kritik-Offensive ermächtigt worden, doch gebe es keine Einwände gegen seine Darstellung, sagte ein Beamter des Ministeriums.

Bisher hatte sich das US-Außenministerium darum bemüht, die deutsche Kritik als vorübergehende Begleiterscheinung eines harten Wahlkampfes zu betrachten. Powell betonte die Gemeinsamkeiten, wann immer er nach den Gegensätzen gefragt wurde. Auch deutsche Diplomaten in Washington versuchten nach Kräften, die Missklänge mit Hinweisen auf das Positive zu übertönen. Auf dem Balkan, im Nahen Osten, in der Russland-Politik gebe es doch große Übereinstimmung. Wegen seiner Kritik an der Bundesregierung wurde Coats bereits am Mittwoch ins Auswärtige Amt geladen. Bei dem Gespräch mit Staatssekretär Gunter Pleuger sei dem Botschafter in sachlicher Atmosphäre die Haltung der Bundesregierung erläutert worden, hieß es in Regierungskreisen. Über den Inhalt des Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler wies die Zweifel von US-Botschafter Daniel Coats an der Bündnistreue Deutschlands in der Irak-Frage als „unerhört“ zurück. „Ein Bündnispartner kann und muss kritisch sein und seine Interessen wahren“, sagte Stiegler den „Stuttgarter Nachrichten“. Neben Zweifeln an der Enge der deutsch-amerikanischen Beziehungen hatte Coats auch geäußert, die Politik der Bundesregierung isoliere sie von der Hauptrichtung der Meinungen in der EU.

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