Politik : Präsident Chirac ruft Jospin nach umstrittenen Äußerungen zur Ordnung

Eric Bonse

Der französische Staatspräsident Chirac und Premierminister Jospin haben ihren Streit um die Nahostpolitik beigelegt. In einem 45-minütigen Tête-à-tête schwor Chirac den Regierungschef gestern nochmals auf eine "ausgewogene Haltung" im Konflikt zwischen Israel und Libanon ein. Im darauf folgenden Ministerrat errinnerte der Präsident das Kabinett "feierlich" daran, dass Frankreich "unter allen Umständen mit einer Stimme sprechen" müsse. Widerspruch aus den Reihen der Linksregierung gab es nicht. Die Sitzung des Ministerrats sei "ohne Streit, ohne Probleme und ohne Furcht" verlaufen, betonte Regierungssprecher Daniel Vaillant.

Noch am Wochenende hatte es so ausgesehen, als stünde eine wirklich schwere Krise der "Kohabitation" zwischen Chirac und Jospin bevor. Jospin hatte bei einer Israel-Reise die "Terroristen" im Libanon kritisiert und eine ungewöhnlich pro-israelische Haltung eingenommen. Damit war er von der traditionell pro-arabischen Linie Chiracs abgewichen. Präsident Chirac hatte Jospin daraufhin aufgefordert, mit ihm umgehend "Kontakt aufzunehmen". Der Premier leistete dieser ungewöhnlichen Aufforderung indes nicht Folge.

Stattdessen rechtfertigte Jospin seine umstrittenen Äußerungen am Dienstag in der Nationalversammlung. Er habe sich "würdig verhalten" und könne keine Demütigung Frankreichs erkennen. Lionel Jospins Äußerungen hatten in den palästinensischen Gebieten und im Libanon zum Teil gewalttätige Proteste ausgelöst. Jospin war mit Steinen beworfen und leiht verletzt worden. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage glauben rund 53 Prozent der Franzosen, dass Jospin "Unrecht" hatte, indem er die Hizbollah-Milizen im Libanon als "Terroristen" qualifizierte.

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