• Präsident Habibie boykottiert die Apec-Konferenz, die die Entsendung einer UN-Truppe berät

Politik : Präsident Habibie boykottiert die Apec-Konferenz, die die Entsendung einer UN-Truppe berät

Gabriele Venzky

Die Lage in Ost-Timor steht heute im Mittelpunkt einer Dringlichkeitssitzung, die am Rande des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforum (Apec) in Auckland stattfindet. An der Sitzung nahmen auch die Außenminister der USA und Großbritanniens, Albright und Cook, teil, obwohl die Länder dem Forum nicht angehören. Am Sonntag und Montag folgt dem Treffen der jährliche Gipfel der Staatschefs, an dem auch die Präsidenten der USA und Chinas teilnehmen. Auch wenn Indonesien zu verhindern sucht, dass Ost-Timor auf einem internationalen Forum diskutiert wird, und Präsident Habibie seine Teilnahme an dem Gipfel abgesagt hat, stand die Entsendung einer UN-Friedenstruppe im Mittelpunkt der ersten Gespräche. Im Übrigen hat auch ein zweiter Staatschef seine Teilnahme mit der Begründung "Zeitvergeudung" abgesagt: Premierminister Mahatir Mohamad von Malaysia, der sich auf die vorgezogenen Wahlen in seinem Land konzentriert.

Hauptthema der Diskussionen ist jedoch die asiatische Wirtschaftskrise, welche die Boom-Länder Südostasiens in die schwerste Rezession ihrer jüngeren Geschichte gestürzt haben. Für Apec stellt sich jetzt die Frage: Muss die Organisation endgültig als ineffektive "Quatschbude" abgeschrieben werden, oder gelingt es doch noch, sie als ernstzunehmenden Interessensverwalter des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsblocks zu etablieren? Denn nun müssen entscheidende Weichen gestellt werden. Zwei Jahre nach dem Absturz erst der thailändischen Währung und dann der thailändischen Wirtschaft, was zu einer Kettenreaktion in der gesamten Region führte und dem asiatischen Wirtschaftswunder ein jähes Ende setzte, werden jetzt die ersten Zeichen einer Erholung sichtbar. Bahnt sich ein neuer Boom an oder steht der Wiederaufschwung auf tönernen Füßen? Sprich: was ist zu tun, damit dieser Aufschwung von Dauer ist?

Von der richtigen Einschätzung der Lage und den Maßnahmen, die zu ergreifen sind, hängt nichts weniger ab als die Zukunft der asiatischen Wunder-Wirtschaften. In jüngster Zeit haben die Börsen der meisten Krisenländer erstaunliche Höhen erklommen: Süd-Korea plus 68 Prozent seit Jahresbeginn, Singapur plus 49, Malaysia plus 33, Japan plus 27. Die Zinsen sind drastisch unter die Zehn-Prozent-Marke gefallen, die Inflation liegt bei fast Null, die Arbeitslosenquote steigt nicht mehr. Singapur, das vom Weltwirtschaftsforum gerade in Sachen Wettbewerbsfähigkeit auf Platz eins gesetzt wurde, vor den USA und Hongkong, während Deutschland weit abgeschlagen rangiert, kann vermutlich wieder ein Wirtschaftswachstum von vier bis fünf Prozent verzeichnen, Süd-Korea brachte es im ersten Quartal auf immerhin 4,6 Prozent, selbst das tief abgestürzte Thailand verzeichnete in diesem Jahr ein Plus von 0,9 Prozent, und Japan, das eigentlich mit einem Minus gerechnet hatte, meldete am Donnerstag ein zweiprozentiges Anwachsen seines Bruttosozialprodukts. Auch die asiatischen Konsumenten mit ihrem bekannten Hang zu Luxus- und Designerwaren geben wieder Geld aus, was als Barometer für neues Vertrauen gilt. Die meisten Analysten warnen vor Euphorie. Denn die notwendigen Wirtschaftsreformen werden vermieden. Doch der Aufschwung ist trügerisch. An den Börsen genügen schon relativ kleine Summen ausländischer Anleger, um die Kurse von den bisherigen Tiefstständen hochzutreiben.

Korruption und Vetternwirtschaft sind nach wie vor an der Tagesordnung. Ein offens Finanzsystem bleibt ein Fremdwort, die Bankensysteme sind verrottet und brechen unter der Last der faulen Kredite zusammen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben