Politik : Präsident ohne Erfahrung

Pakistans neuer Staatschef Hussain gilt vor allem als Vertrauter des Premiers – die Taliban demonstrieren mit einer Gefangenenbefreiung ihre Macht.

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Der Unternehmer. Mamnoon Hussain (73) ist neuer pakistanischer Präsident. Foto: dpa
Der Unternehmer. Mamnoon Hussain (73) ist neuer pakistanischer Präsident. Foto: dpaFoto: dpa

Neu-Delhi - Analysten machen keinen Hehl daraus, dass sie ihn für ein politisches Leichtgewicht halten. Und genau diesem Umstand verdankt es Mamnoon Hussain wohl auch, dass er nun zum 12. Präsidenten des Atomstaates Pakistan gewählt wurde. Der 73-jährige Geschäftsmann wird den Bhutto-Witwer Asif Ali Zardari ablösen, dessen Amtszeit im September endet und der nicht mehr angetreten war. Mit Hussain hat Regierungschef Nawaz Sharif einen Vertrauten an die Staatsspitze gehievt, der ihm kaum in die Quere kommen dürfte – und damit seine eigene Machtbasis zementiert. Hussain war über die Jahrzehnte einer der treuesten Verbündeten von Sharif. Selbst als der Chef der konservativen Muslimliga PML-N von 1999 bis 2007 im Exil weilte, stand Hussain zu ihm.

Bei den Wahlen im Mai war Sharif mit seiner PML-N im Triumphzug an die Macht zurückgekehrt – und nominierte Hussain für das Spitzenamt. Dies ist zugleich ein wahlpolitischer Schachzug. Hussain repräsentiert die wichtige Provinz Sindh, während Sharif selbst aus dem Punjab stammt. Hussains Wahl vollendet den ersten demokratischen Regierungswechsel in der 66-jährigen Geschichte des südasiatischen Landes, das fast die Hälfte seiner Zeit vom Militär regiert wurde. Viel zu melden hat der Präsident in Pakistan allerdings nicht. Das Amt ist vor allem repräsentativer Natur.

Derweil befreiten schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer mit einem spektakulären Gefängnissturm über 250 Gefangene, darunter auch 40 Hardcore-Militante. Zwölf Menschen, darunter sechs Polizisten, kamen bei den Gefechten ums Leben. Laut Augenzeugen begann die Attacke am Montag gegen Mitternacht mit einer Reihe von Explosionen. Über 100 als Polizisten verkleidete Militante sollen zunächst Stromleitungen gekappt und dann das Gefängnis mit Raketenwerfern und Maschinengewehren beschossen haben. Dabei hätten sie „Allah ist groß“ und „Lang leben die Taliban“ geschrien. Die Befreiung ist ein Rückschlag für Pakistans Bemühungen, den Terror unter Kontrolle zu bekommen. Bereits im April 2012 hatten die Taliban hunderte Gefangene aus einem Gefängnis befreit.

Die neue Führung unter Sharif steht vor riesigen Problemen. Sie muss nicht nur die Wirtschaft ankurbeln, sondern auch den Terrorismus unter Kontrolle bekommen. Bisher bleibt sie jedoch vage darin, wie sie mit den Militanten umgehen will. Wie Sharif steht auch Hussain den US-Drohnenangriffen kritisch gegenüber. Diese dämmten den Terrorismus nicht ein, sondern produzierten mehr Militante, sagte er. Er will es zu einem seiner Anliegen machen, die USA zu überzeugen, auf die Angriffe zu verzichten.

Hussain verdient sein Geld in der Textilbranche. Seit den 60er Jahren ist er in Sharifs PML-N aktiv, tat sich aber politisch kaum hervor, sieht man von einer kurzen Berufung zum Gouverneur von Sindh in den 90er Jahren ab. „Wenn es um landesweite Politik geht, sieht man ihn nirgends“, sagte der Kommentator Hassan Askari Rizvi.

Die PPP von Zardari, die nun in der Opposition sitzt, hatte die Präsidentenwahl boykottiert, weil das oberste Gericht sie wegen Ramadan um eine Woche vorgezogen hatte. Der PPP-Kandidat galt angesichts der Mehrheitsverhältnisse ohnehin als chancenlos. Christine Möllhoff

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