Präsidentenbesuch : Obamas "stille Ankunft“ in Dresden

Unter Diplomaten nennt man es eine "stille Ankunft“: kein Tusch, kein großes Empfangskomitee. Barack Obama fuhr am Donnerstagabend nach der Ankunft auf dem Dresdner Flughafen einfach ins Hotel Kempinski, Taschenbergpalais.

Deike Diening

Dresden - Die Dresdner haben derweil mit der Party schon einmal angefangen. Im Display aller Straßenbahnen und Busse blinkt: Welcome, Mr. President. Auf dem Altmarkt steigt schon seit Donnerstagnachmittag die große „Welcome-Party“, und sie wird noch nicht zu Ende sein, wenn der Präsident am Freitagmittag längst wieder weg ist: Trampolin, Softeis, Fischbrötchen, Hot-Dogs und Cheerleader in friedlicher Koexistenz.

In den Dresdner Cafés saßen am Donnerstag allerdings auch enttäuschte Reisegruppen: „Heute kann man nichts machen. Heute kann man nur Kaffee trinken.“ Der Zwinger ist zu, das Grüne Gewölbe dicht, das Schloss geschlossen. Die Altstadt ist komplett zur Sicherheitszone geworden, passierbar nur für Bewohner, Geschäftsinhaber, Büromitarbeiter, die sich tapfer durch eine der vier Sicherheitsschleusen fädeln müssen – die Einkäufe zum Röntgen, bitte! Mit ihren gelben Plastikarmbändchen sehen die Bewohner aus wie Gäste eines All-inclusive-Clubs.

Und ein bisschen stimmt das ja auch: Inklusive könnte für sie heute immerhin der Anblick des US-Präsidenten sein, der vermutlich gar nicht außerhalb der Sicherheitszone zu sehen sein wird. Zum Treffen mit Angela Merkel muss er nur kurz um die Ecke ins Grüne Gewölbe, Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, eine Pressekonferenz im Schlosshof, Stippvisite in der Frauenkirche. Alles unter Polizeischutz – alles unsichtbar für die Dresdner, beschweren die sich. Das war bei Fidel Castro 1972 noch anders.

Und dann diskutieren sie in der Stadt an der Elbe diesen etwas merkwürdigen Besuch, auf den sie zwar stolz sind, dessen Sinn so vielen aber nicht ganz einleuchten will. 16 Stunden ist die am meisten gefährdete Person der Welt in der Stadt. Es ist der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der sächsischen Polizei. Als Obamas „Air Force One“ am Donnerstagabend kurz vor neun draußen in Dresden-Klotzsche landete, war die Johnny- Cash-Coverband auf dem Altmarkt schon durch.

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