Präsidentenwahl : Die vier Kandidaten

Martin Gehlen

Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad (52) weiß den mächtigsten Mann des Landes hinter sich. Mehrfach sprach sich Ayatollah Ali Chamenei kaum verhüllt für den jetzigen Präsidenten aus. Zuletzt forderte er die Bürger auf, für den zu stimmen, "der ein einfaches und bescheidenes Leben führt und mit den Problemen und Leiden der Menschen vertraut ist" - das trifft genau das Image, was Ahmadinedschad gerne von sich zeichnet. Bei einer Wiederwahl wäre es die zweite Amtszeit für den früheren Bürgermeister von Teheran, der 2005 überraschend zum Präsidenten gewählt wurde. Ahmadinedschad gibt sich volksnah und unbestechlich, steht aber vor allem wegen seiner undurchsichtigen Wirtschaftspolitik in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die Inflation geschürt und in den vergangenen drei Jahren die wegen des hohen Ölpreises unerwartet hohen Staatseinnahmen verschleudert zu haben. International hat Ahmadinedschad dem Ansehen des Iran mit seiner undurchsichtigen Atompolitik, den harschen Äußerungen über Israel und seiner Leugnung des Holocausts geschadet.

Mir-Hossein Mussawi (67) bezeichnet sich selbst als einen "den Grundsätzen der Revolution verbundenen Reformer". Der 1941 geborene Mitbegründer der Islamischen Partei und Anhänger von Ajatollah Chomeini wurde 1981 nach Ausbruch des irakisch-iranischen Krieges Premierminister. In seinen acht Amtsjahren richtete Mussawi ein rigides System der Nahrungsmittelrationierung und Preiskontrollen ein, was im Iran Hungersnöte verhinderte und die Wirtschaft vor dem Kollaps bewahrte. Als ein Jahr nach Kriegsende sein Amt per Verfassungsreform abgeschafft wurde, zog er sich als Berater der Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani (1989-1997) und Mohammad Chatami (1997-2005) hinter die Kulissen zurück. Der gelernte Architekt und Hobbymaler, dessen Frau Zahra Rahnavard aktiv im Wahlkampf mitmischt und viele weibliche Wähler anzieht, verspricht eine Stabilisierung der krisengeschüttelten iranischen Wirtschaft und eine Wiederannäherung an den Westen. Er wird von Teilen des reformorientierten Lagers unterstützt, zieht aber auch Wähler aus dem konservativen Milieu an.

Mehdi Karroubi tritt als "Scheich der Reformen" für eine Liberalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ein. Der 72-jährige Geistliche wirft Ahmadinedschad vor, die Öl-Einnahmen zu verschleudern - machte aber dann in einer Fernsehdebatte selbst den Vorschlag, alle Iraner an den Einnahmen des nationalen Gaskonzerns zu beteiligen. Er ist ein Mensch mit Zivilcourage und befürwortet wie Mussawi eine Annäherung an den Westen. Karroubi war von 1989 bis 1992 und von 2000 bis 2004 Sprecher des Parlaments. Er ist einer der wenigen iranischen Politiker, der es wagt, Revolutionsführer Ali Chamenei öffentlich zu widersprechen. Als Ahmadinedschad begann, den Holocaust zu leugnen, trat Karroubi ihm als erster prominenter Kleriker entschieden entgegen.

Mohsen Rezai war von 1981 bis 1997 Chef der Revolutionsgarden, der ideologischen Elitetruppe der Teheraner Führung. Derzeit ist der 54-jährige Konservative Generalsekretär des Schlichtungsrates. Das Gremium vermittelt zwischen Regierung, Parlament und dem vom Klerus beherrschten Wächterrat. Die dringendsten Probleme des Iran sind aus seiner Sicht Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation. Amtsinhaber Ahmadinedschad wirft Rezai vor, das Land mit seiner Politik "an den Rand des Abgrunds" gebracht zu haben. Außenpolitisch will er das Verhältnis zum Westen entspannen. In der Atompolitik schlägt er eine international geführte Urananreicherungsanlage auf iranischem Boden vor. Im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Argentinien, bei dem 85 Menschen starben, wird Rezai von Interpol per internationalem Haftbefehl gesucht.

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