Präsidentenwahl : FDP-Politiker liebäugeln mit Gauck

05.06.2010 22:51 Uhr

In der Koalition regt sich Widerstand gegen den gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Teile der FDP fühlen sich bei der Auswahl übergangen und liebäugeln offen mit dem Kandidaten der Opposition, Joachim Gauck.

Berlin - In der Koalition regt sich Widerstand gegen den gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Teile der FDP fühlen sich übergangen und liebäugeln mit dem Kandidaten der Opposition, Joachim Gauck. Sympathien für den von SPD und Grünen aufgestellten früheren DDR-Bürgerrechtler und langjährigen Chef der Stasi-Unterlagenbehörde äußerte aber auch der frühere CDU-Vorsitzende Brandenburgs, Jörg Schönbohm. „Ich frage mich, warum es nicht möglich war, sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen“, sagte er dem „Spiegel“.

Der FDP-Fraktionschef im Landtag von Sachsen-Anhalt, Veit Wolpert, ließ Distanz gegenüber Wulff erkennen.

„Wir werden in der Fraktion darüber zu sprechen haben, ob wir trotz Bedenken mit Herrn Wulff leben können“, sagte er. Er sprach von einer massiven Verärgerung darüber, dass die Länder von Parteichef Guido Westerwelle nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden. Der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow sagte der „Welt am Sonntag“, es gebe für Wulff „keinen Blankoscheck“: „Ich persönlich habe große Sympathien für Joachim Gauck.“ Ähnlich äußerte sich Ex-Parteichef Wolfgang Gerhard. Die frühere FDP-Präsidentschaftskandidatin Hildegard Hamm-Brücher stellte sich offen hinter Gauck.

Der Thüringer FDP-Generalsekretär Patrick Kurth forderte im „Spiegel“, die Parteiführung müsse „deutlich machen, welche strategischen Vorteile die Kür Wulffs für uns bringt“. Hessens Landeschef Jörg-Uwe Hahn stellte dem Bericht zufolge in einer vertraulichen Sitzung sogar die Berliner Koalition infrage. „Wir müssen uns bald entscheiden, was uns wichtiger ist: die Regierungsbeteiligung oder die Identität der Partei“, wird er zitiert.

Die Linkspartei hat indes noch nicht entschieden, ob sie mit einem eigenen Kandidaten antritt. Während Parteichef Klaus Ernst sich dafür ausgesprochen hat, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin in Bundestag, Dagmar Enkelmann, in der „Rheinpfalz am Sonntag“, in der Partei verbreite sich die Ansicht, die Linke solle sich nicht mit einem bloßen „Zählkandidaten“ beteiligen. Tsp

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