Politik : Präsidentenwahl in Haiti: Sieg Artistides erwartet

Haitis ehemaliger Präsident Jean-Bertrand Aristide wird voraussichtlich im Februar wieder das höchste Staatsamt des Karibik-Landes übernehmen. Sein Sieg in den umstrittenen Präsidentenwahlen vom Sonntag galt als sicher, weil sich alle Oppositionsparteien zum Boykott entschlossen hatten. Die internationale Gemeinschaft hatte wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten erhebliche Vorbehalte gegen die Wahlen geäußert und jede organisatorische Unterstützung verweigert. Mit dem Wahlergebnis wird bis Mittwoch gerechnet.

Die Wahlen verliefen nahezu ohne Zwischenfälle. Wie Radio Metropole, Haitis angesehenster Privatsender, meldete, war die Wahlbeteiligung landesweit gering. Neben Aristide standen noch sechs vollkommen unbekannte Kandidaten auf den Stimmzetteln, von denen drei ihre Kandidatur zwischenzeitlich zurückgezogen hatten. Außer dem Präsidenten wurde auch ein Drittel des 27-köpfigen Senats neugewählt.

Aristide, der sich seit Wochen nicht in die Öffentlichkeit gewagt hatte, gab seine Stimme in einer von Scharfschützen gesicherten Schule ab, die er durch eine Nebentür betrat. Aristide war vor zehn Jahren das erste Mal zum Präsidenten gewählt worden. Ein Militärputsch zwang ihn ins Exil, Ende 1994 ermöglichte ihm eine Militärintervention der USA die Rückkehr. Anfang 1996 übergab er wegen des Verbots der unmittelbaren Wiederwahl das Amt an seinen Freund Rene Preval.

In der Woche vor der Wahl hatten Unbekannte mit Bombenanschlägen Panik unter der Bevölkerung verbreitet. Am Sonntagmorgen detonierte im Stadtteil Carrefour der Hauptstadt abermals eine Bombe und verletzte einen Menschen.

Der Oppositionsboykott ging auf den Streit um die Parlaments- und Kommunalwahlen vom 21. Mai zurück. Damals waren zehn Senats- Kandidaten aus Aristides Bewegung Lavalas vom Wahlrat zu Siegern im ersten Wahlgang erklärt worden, obwohl sie nur eine relative Mehrheit gewonnen hatten. Alle Proteste der Opposition und des Auslands wurden von der Regierung übergangen.

Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Die Hoffnungen auf Entwicklungsfortschritte nach Wiederherstellung der Demokratie 1994 haben sich nicht erfüllt. Mit der umstrittenen Wiederwahl Aristides droht dem Land die Isolierung und der völlige Verlust von Auslandshilfe.

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